Dass Südafrika das gefährlichste Land der Welt ist, spüren auch Medienvertreter während des Confederations Cups. Von Wolfgang Jost

Von Wolfgang Jost. Pretoria - Am südlichen Stadtrand von Pretoria steht eine 30 Meter hohe Brücke allein in der Landschaft. Irgendwann wird sie mit einer Trasse verbunden sein, dann wird der "Gautrain" fahren, ein Schnellzug, der Pretoria und Johannesburg verbindet und Südafrikas erstes großes Nahverkehrsprojekt sein wird.
"Wir erwarten, dass er bis zur WM nächstes Jahr fährt", sagt Danny Jordaan, der Chef des WM-Organisationskomitees. Bis dahin fährt man Tag für Tag mit dem Auto unter der Brücke durch auf die N 1 und staut auf der vierspurigen Autobahn morgens bis zu zwei Stunden die 59 Kilometer von der Regierungshauptstadt Pretoria in die Metropole Johannesburg.
An der Stoppstelle vor der Brücke ist ein Warnschild aufgestellt. "Hijacking Hotspot" steht darauf - Entführungsschwerpunkt. Morgens sieht man ab und zu Glassplitter dort liegen und am Straßenrand schwere Feldsteine. Dann kann man sich ausmalen, was hier nächtens passiert ist. "Carnapping", Autos überfallen, steht in Südafrikas Kriminalitätsstatistik sehr weit oben.
Der Autor ist froh, dass der Kollege, mit dem er während des Confederations Cup unterwegs ist, ein sehr sicheres Auto hat. Die Scheiben wurden mit Titan beschichtet. Sie halten jetzt sechs bis acht Schläge mit Feldsteinen aus. Der ebenso beliebte Versuch, eine Zündkerze als Schlagwaffe gegen Autoscheiben einzusetzen, sei vor kurzem grandios gescheitert, sagt der Kollege stolz. Ja, man muss vorsichtig sein im kriminellsten Land der Erde. Roland Zorn, Reporter der FAZ, der vor einigen Tagen am Stadion in Pretoria aufgefordert wurde, sein Geld herzugeben, was er nicht tat, weil beide Täter unbewaffnet waren, hatte außer Acht gelassen, dass es bereits nach Mitternacht war. Um diese Zeit ist das Pressezentrum kaum und der Parkplatz gar nicht mehr bewacht.
Auch Reuters-Korrespondent Mike Collet war glimpflich davongekommen, als eine Streife ihn nachts stoppte, dubiose Vorwürfe erhob und mit 400 Rand (etwa 38 Euro) Wiedergutmachung dann zufrieden war und ihn zum Hotel geleitete. In den Quartieren der Brasilianer und Ägypter indes ist man sauer. Brasilien-Coach Dunga und Verteidiger Kleberson beklagen Geldverlust, der bei den ägyptischen Spielern mit 2400 Euro auch recht happig ausgefallen ist.
Fikile Mbalula, der Deputy des Polizeiministers aber sprach vor der Presse aus aller Welt nur von "einzelnen Vorfällen" oder "unglücklichen Unfällen" und sagte: "Die Sicherheit ist intakt." Auf die Frage, ob es in Südafrika "No-go-Areas" gebe, wo man als Fremder nicht hingehen könne, antworte er: "Es gibt keine No-go-Areas, es gibt nur high-alert-areas", also "Hoch-Alarm-Zonen". Wir werden beide meiden!
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