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Randbemerkung: Schummeln im großen und kleinen Stil

Randbemerkung

Schummeln im großen und kleinen Stil

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    Armer Alberto.
    Armer Alberto. Foto: Alberto Martin, dpa

    Die Rollen waren in der Schulzeit klar verteilt. Auf der einen Seite der Streber, der den ganzen Nachmittag über Latein gepaukt hatte; auf der anderen der Faulpelz, der lieber mit Kumpels beim Bolzen war, statt zu büffeln. Spätestens, wenn die Lehrerin am nächsten Morgen sagte „Hefte weg! Wir schreiben eine Ex“, bereute der Freizeitler sein ausgiebiges Strawanzen am Vortag. Die Wahrheit lag auf dem Blatt. Mitnichten.

    Es verhält sich ein wenig wie mit Huhn und Ei. So recht weiß keiner, ob erst die Prüfung und dann der Unterschleif kam oder umgekehrt. Schummeln ist nicht gleich Schummeln, auch wenn beides auf den ersten Blick Betrug ist. Wenn ein milchbubiger Drittklässler seine Note in Heimat- und Sachkunde durch Spicken von Vier auf Drei korrigiert, hat er mit einem hochrangigen Politiker, der eine Doktorarbeit abkupfert, wenig gemeinsam.

    Im Sport verhält es sich ähnlich. Geradezu harmlos erscheint das Schummeln des Motorradrennfahrers Dani Pedrosa, der sich wie der Faulenzer in der Schule verhielt. Weil der Spanier kurz vor dem Saisonstart in Katar fortwährend auf seinem Zweirad trainieren muss, hatte er wohl keine Zeit zum Lernen: für seinen Jachtführerschein. Also mogelte er. Nicht mit einem antiquierten Spickzettel. Über Ohrhörer ließ er sich Antworten einflüstern. Immerhin: Pedrosa entschuldigte sich öffentlich.

    Gedopter Contador verzichtet auf Einspruch

    Weil Geständnisse allerdings allzu schwer über die Lippen gehen und für malade Publicity sorgen, sind Offenbarungseide bei Profisportlern beliebt wie Kreuzbandrisse. Gerade gedopte Radler verschreiben sich deshalb Schweigepflicht. Alberto Contador ist vom Internationalen Gerichtshof jüngst verurteilt worden. Zwei Jahre darf er nicht mehr seinen Lebensunterhalt mit dem Strampeln verdienen.

    Großmütig wie er ist, verzichtet der ehemalige Tour-de-France-Sieger nun auf einen Einspruch. Der Sportler, der seine Muskeln gerne mit Kälbermastmitteln füttert, erklärt, er habe jedes Vertrauen in die Sportjustiz verloren. Von einer Manipulation, einer Schummelei auf großer Ebene will Contador indes nichts wissen.

    Während der Spanier sich treu bleibt, musste der Italiener Andrea Masiello mafiöse Machenschaften einräumen. 250 000 Euro in bar sollen der Kapitän des AS Bari und zwei Mitspieler für eine Niederlage gegen Lecce eingestrichen haben. Damit auch wirklich nichts schief geht, bugsierte er den Ball beim 0:2 im Derby gleich ins eigene Tor. Mogel-Masiello kommt nicht mit einem Sechser davon wie einst der ertappte Drittklässler, ihm droht eine langjährige Haftstrafe.

    Sollte Masiello dann im Knast langweilig werden, kann er ja für einen Jachtführerschein lernen.

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