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Kassenrollen-Werfer: St. Pauli darf 5800 Fans nicht ins Stadion lassen

Kassenrollen-Werfer

St. Pauli darf 5800 Fans nicht ins Stadion lassen

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    Frankfurts Pirmin Schwegler (verdeckt) musste nach einem Kassenrollen-Wurf eines St.-Pauli-Fans behandelt werden.
    Frankfurts Pirmin Schwegler (verdeckt) musste nach einem Kassenrollen-Wurf eines St.-Pauli-Fans behandelt werden. Foto: dpa

    Das gab es noch nie vor einem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Ein Fußball-"Rowdy" erschien persönlich und legte unter Tränen ein Geständnis ab. Dennoch verurteilte das Gericht den FC St. Pauli zu einem Spiel unter Teilausschluss der Öffentlichkeit.

    St. Pauli darf 5800 Stehplätze nicht besetzen

    Gegen den Karlsruher SC darf der Zweitligist am 12. März 5800 Stehplätze nicht besetzen und muss mit einem Einnahmeausfall von mindestens 63.000 Euro rechnen. Bei der Verhandlung am Montag in Frankfurt/Main erschien der 20-jährige Werfer persönlich als Zeuge und schilderte teilweise schluchzend seine Tat.

    Dies wertete das Gericht als strafmildernd. "Dieser Wurf war nicht als Wurf gegen einen Gegner gedacht, war aber im Ergebnis eine fahrlässige Tat", sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz. Der Jurist präsentierte den Prozessparteien auch das von Schiedsrichter Felix Zwayer gelieferte Corpus Delicti.

    DFB-Chefankläger Anton Nachreiner hatte angesichts des Vorstrafenregisters des FC St. Pauli dafür plädiert, dass der Verein das nächste Heimspiel sogar ohne die 13 000 Besucher im Stehplatzbereich bestreitet. Die Stadionkapazität beträgt 24.487 Plätze. "Das ist schon ein massives Urteil. Wir hatten uns eine Geldstrafe erhofft, die ein ganzes Stück darunter liegt", sagte Paulis Vizepräsident Gernot Stenger. Der Verein will nun in Ruhe überlegen, ob er vors DFB-Bundesgericht zieht.

    Der Werfer sprach von einem Versehen

    FC St. Pauli: Das Sündenregister des Clubs

    Der FC St. Pauli hat ein Problem mit einigen seiner Fans. In den vergangenen 14 Monaten wurden sechs Vorfälle registriert.

    3. Dezember 2010: Nach dem Erstliga-Spiel gegen Kaiserslautern trifft ein 16-Jähriger mit einem Schneeball den FCK-Profi Christian Tiffert, der gerade im Fernsehen interviewt wird - St. Pauli entzieht dem Fan die Dauerkarte.

    1. April 2011: Im Erstliga-Heimspiel gegen Schalke 04 wird Linienrichter Thorsten Schiffner von einem vollen Bierbecher im Nacken getroffen und bricht kurz benommen zusammen - Spielabbruch. St. Pauli muss sein erstes Zweitliga-Heimspiel auf neutralem Platz in Lübeck bestreiten. Der Werfer wird ermittelt und vom Amtsgericht Hamburg zu 3000 Euro Geldbuße verurteilt, die er zur Hälfte an den Referee und an die Sepp-Herberger-Stiftung des DFB zu zahlen hat.

    23. September 2011: Nach dem Punktspiel gegen Erzgebirge Aue wirft ein Fan einen leeren Becher in Richtung des Schiedsrichter-Gespanns. Referee Christian Leicher sieht den Becher und wehrt den Wurf ab. St. Pauli wird zur Zahlung von 8000 Euro Geldstrafe verurteilt.

    19. November 2011: Im Punktspiel in Rostock schießen Hansa-Fans Feuerwerkskörper in den St.-Pauli-Block, was zu einer zehnminütigen Unterbrechung führt. Hansa Rostock wird zu einem Heimspiel ohne Anhang, St. Pauli zu 8000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil Anhänger der Kiez-Kicker Pyrotechnik und Knallkörper gezündet hatten.

    19. Dezember 2011: Im Heimspiel gegen Frankfurt trifft ein St.- Pauli-Fan Eintracht-Profi Pirmin Schwegler mit einer Kassenbonrolle am Kopf. Der DFB leitet ein Kontrollverfahren ein. Dem Kiez-Club droht erneut eine harte Strafe. Das Urteil wird in dieser Woche erwartet.

    6. Januar 2012: Beim Hallen-Turnier in der Alsterdorfer Sporthalle treffen rivalisierende Anhänger-Gruppen des FC St. Pauli, VfB Lübeck und des Hamburger SV aufeinander und randalieren. Laut Polizeiangaben sind 230 gewaltbereite Fans des Kiez-Clubs darunter, von denen 72 in Gewahrsam genommen wurden. 90 Personen werden verletzt. Das Turnier wird abgebrochen und dürfte in dieser Form keine Zukunft haben. Welche Folgen das Ganze für den FC St. Pauli haben wird, ist offen.

    Am 19. Dezember war in der Partie zwischen St. Pauli und Eintracht Frankfurt  Gäste-Kapitän Pirmin Schwegler in der 48. Minute von der Kassenrolle am Kopf getroffen worden und zu Boden gegangen. Der Schweizer musste kurz behandelt werden, spielte aber beim Stande von 1:0 für die Hamburger weiter. Der Werfer stellte sich später und sprach von einem Versehen. Schwegler trug nach eigenen Angaben "eine kleine Beule" davon. Der Pauli-Fan entschuldigte sich vor der Verhandlung bei dem Fußballprofi persönlich, nachdem er dies zuvor schon per Mail getan hatte.

    "Ich möchte und muss mich bei vielen Menschen entschuldigen. Bei Herrn Schwegler, beim DFB, beim FC St Pauli und seinen Fans, denen ich mit dieser blöden Tat Schaden zugefügt habe", sagte der Abiturient vor dem Sportgericht. Er habe die Rolle vor dem Spiel von einem anderen Zuschauer zugesteckt bekommen und sich erst wieder in der Halbzeit daran erinnert. "Ich hab' sie hochgeworfen in der Hoffnung, dass es eine schöne Papierschlange gibt", erklärte. Die Rolle überflog das 6,30 Meter Netz und flog aufs Richtung Spielfeld.

    FC St. Pauli stand bereits wegen eines Bierbecherwurfs vor Gericht

    Als er sah, dass Schwegler damit getroffen wurde, habe er "Panik" bekommen: "Ich wäre am liebsten aus dem Stadion gerannt." Der Werfer konnte jedenfalls unbehelligt das Stadion am Millerntor verlassen. Nach einer schlaflosen Nacht und einer Beichte bei den Eltern stellte er sich später auf der Geschäftsstelle seines Clubs.

    Der FC St. Pauli stand erst vor zehn Monaten wegen eines Bierbecherwurfs vor dem Sportgericht. Vizepräsident Stenger bat aber zum Auftakt der Verhandlung um eine differenzierte Bewertung und betonte: "Heute geht es nicht um Aggression, um wilde Jagdszenen, um Prügeleien, um Raketen, nicht um Rowdytum, um Wut oder Hass. Heute geht es um einen fehlgegangenen Versuch, eine Kassenrolle in die Luft zu werfen, um zu einer Choreographie beizutragen."

    Der FC St. Pauli war in diesen Saison bereits zweimal vom Sportgericht wegen Fehlverhaltens bestraft worden. Jenseits des Zweitliga-Betriebs kam es Anfang des Jahres bei einem Hallenturnier in Hamburg zu Ausschreitungen zwischen St.-Pauli- und Lübecker Anhängern mit 90 Verletzten. dpa

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