Der DFB und Manfred Amerell einigen sich in einem Zivilverfahren um sexuelle Belästigung auf einen Vergleich. Der DFB darf allerdings bei seiner Behauptung bleiben. Von Tilmann Mehl Von Tilmann Mehl

Manfred Amerell sieht besser aus. Besser als vor wenigen Wochen, als er sich erstmals zu den Vorwürfen von Michael Kempter äußerte, er habe ihn sexuell belästigt. Eingefallene Wangen, aschfahle Haut, die Stimme brüchig - Amerell machte keinen guten Eindruck.
Der 63-Jährige scheint die Zeit seitdem gut genutzt haben. Lächelnd schritt er im Münchner Landgericht vor seinem Anwalt Jürgen Langer in den Saal 270 ein. In seinem Mund warf er einen Kaugummi hin und her. Er malmte nicht verbissen auf ihm rum, er spielte mit ihm. Sein Anwalt ließ Amerell wenig später als strahlenden Gewinner dastehen.
Dabei gab Richter Peter Lemmers lediglich einen Vergleich bekannt. In der Fußballersprache ist ein Vergleich so etwas wie ein Unentschieden. Eigentlich wollte Amerell eine Unterlassung erwirken, wonach der DFB nicht mehr behaupten darf, Amerell habe in der Vergangenheit mehrere Schiedsrichter sexuell bedrängt und/oder belästigt. Genau das darf der DFB nun aber weiterhin. Dafür erhielt Amerell im Gegenzug Einsicht in die eidesstattlichen Erklärungen von vier bisher anonymen Schiedsrichtern und erfuhr dabei auch deren Namen.
Die Schiedsrichter sollen Amerell schwer belastet haben. Bisher wollte der DFB die Namen der Unparteiischen geheim halten. Dazu ist auch Manfred Amerell angehalten. Andernfalls droht ihm eine Strafe von 25 000 Euro.
Langer, der Anwalt von Amerell, verbuchte den Vergleich trotzdem als "vollen Erfolg. Manfred Amerell ist der strahlende Sieger", sagte er unserer Zeitung. Demnach ging es in dem Verfahren nur vorrangig um die Unterlassungserklärung. "Das war das Vehikel, um an die Namen der drei Schiedsrichter zu kommen", so Langer.
Somit wäre es Amerell nun möglich, Strafanzeige gegen die Belastungszeugen zu stellen. "Herr Amerell wird sich die weiteren rechtlichen Schritte genau überlegen", ließ sein Anwalt ausrichten.
Erwartungsgemäß sieht sich auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in der Gewinner-Rolle: "Durch den Rückzug des Antrags darf der DFB seine Pressemeldung ungehindert weiter verbreiten, wonach die entsprechenden Vorwürfe von Schiedsrichtern erhoben wurden. Gleichzeitig ist Herrn Amerell auferlegt, die Namen der Betroffenen absolut vertraulich zu behandeln. Der Zivilprozess ist damit für uns in jeder Hinsicht erfolgreich abgeschlossen", sagte der Rechtsanwalt Christian Schertz, der die Seite des DFB vor dem Münchner Landgericht vertrat.
"Der DFB hat korrekt gehandelt", sagte Zwanziger in einer ersten Reaktion. Er habe alles "im Griff", betonte der Verbandsboss. Dabei hatte Zwanziger zuvor noch seinen Rücktritt angekündigt, falls der DFB ein mögliches Verfahren gegen Amerell verliere.
Amerell sah im Landgericht nicht aus wie ein Opfer. Er wirkte zugleich angriffslustig und entspannt. Bis sich die wartenden Journalisten und Zuschauer aber einen Eindruck von Amerell machen konnten, vergingen zwei Stunden. Der größte Sitzungssaal des Landgerichtes war mit annähernd 200 Personen voll gefüllt, als um 13 Uhr die öffentliche Sitzung anfangen sollte. Amerell hatte fünf Minuten zuvor das Gericht betreten, in den Sitzungssaal kam er aber nicht.
Richter Lemmers erklärte, man habe seit 11.30 Uhr mit beiden Parteien zusammengesessen, um eine außergerichtliche Einigung zu finden. "Es waren lange, intensive Verhandlungen, in der alle sehr bemüht waren." Journalisten und Zuschauer wurden bis 15 Uhr vertröstet, ehe es zur Bekanntgabe des Vergleiches kam.
Mittlerweile lag ein unangenehmer Kaugummi-Nikotin-Geruch in der Luft. Manfred Amerell kaute seinen Kaugummi nicht, weil er davor geraucht hatte. Amerell spielte mit seinem Kaugummi, weil er Spaß daran hatte. Tilmann Mehl
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