Als Schiedsrichter Babak Rafati am Montag in Karlsruhe das Spiel zwischen dem FCA und den KSC abpfiff, gab es auf der Bank kein Halten mehr. Ersatz-Torhüter Mohamed Amsif setzte zum Hochsprung an und Sören Bertram sowie Jonas de Roeck starteten im Sprint Richtung Spielfeld, um den 1:0-Sieg zu feiern. Beim FC Augsburg fiebern derzeit alle mit – von der Nummer eins bis zur Nummer 36. Amsif sagt: "Wir alle haben nur ein Ziel: den Aufstieg."
Dabei scheint die Qualität der Ersatzspieler den Ausschlag für den FCA zu geben. Egal, wen Luhukay bringt, das Ersatzteil passt genauso gut wie das Original. Die Bank ist eine Bank. Luhukay wird nicht müde, seine Ersatzspieler zu loben: "Sie sind ein ganz wichtiger Baustein. Sie treiben die anderen an."
Deshalb ist beim FCA die Ersatzbank auch keine Endstation. Ganz im Gegenteil. Luhukay lässt viel rotieren. "Ich stelle nach Trainingseindrücken auf", sagt er. Taktische Überlegungen fließen da ein. Und wenn ihm die Einstellung des einen oder anderen Spielers nicht passt, greift der sonst so umgängliche Luhukay durch. So schmorte zuletzt Michael Thurk auf der Tribüne, Kees Kwakman steht seit Wochen schon nicht mehr im Kader. Es traf aber auch schon Daniel Baier oder Jonas de Roeck.
Das Restprogramm der Aufstiegskandidaten
1. Hertha BSC Berlin; 68 Punkte: Tordifferenz + 38, Aue (A), FC Augsburg (H)
2. FC Augsburg; 62 Punkte, + 31, Frankfurt (H), Hertha BSC (A)
3. VfL Bochum; 59 Punkte, + 10, Osnabrück (A), Duisburg (H)
4. SpVgg Greuther Fürth; 57 Punkte, + 17, Bielefeld (H), Oberhausen (A), Düsseldorf (H)
5. Erzgebirge Aue; 53 Punkte, +2, Hertha BSC (H), Frankfurt (A)
Aber egal welche Stellschraube Luhukay derzeit dreht, sie passt. Jede Position ist mehrfach besetzt. Verletzungen werden einfach kompensiert. Gegen den KSC fielen kurzfristig die Außenverteidiger Paul Verhaegh und Marcel de Jong aus. Gemerkt hat man es kaum. Axel Bellinghausen und Jan-Ingwer Callsen-Bracker sprangen ein.
Der Kader hat in der Breite eine Qualität, die in der Liga seines Gleichen sucht. Kaum ein Spieler kann sich sicher sein, ob er spielt. Das treibt die Leistung nach oben. "Genau das wollten wir und das hat uns in der entscheidenden Phase in der vergangenen Saison gefehlt", sagt Luhukay. In der Relegation waren die FCA-Spieler ausgebrannt, mental und körperlich.
Dies ist in dieser Saison nicht der Fall. Der Konkurrenzkampf ist auch in dieser entscheidenden Phase der Saison hart. Wie hart, war am Dienstag beim Training der Reservisten zu sehen. Da gerieten Marcel Ndjeng und Daniel Brinkmann beim Trainingspiel kurzzeitig aneinander. Brinkmann hatte Ndjeng unsanft zu Fall gebracht. "Das kommt schon mal vor, das stehe ich drüber. Die Jungs machen derzeit einen Super-Job", übersah Trainer Luhukay das kleine Geplänkel.
Doch bei allem Ehrgeiz, der Trainer schafft es, dass die zum Teil völlig unterschiedlichen Individuen als Kollektiv funktionieren. Die Unzufriedenheit, die sicher da ist, wird nicht nach außen getragen. Dass die Ersatzspieler nicht allzu glücklich mit ihrer Situation sind, ist verständlich. Mohamed Amsif (22) sagt zum Beispiel: "Natürlich würde ich lieber spielen, das will jeder Profi. Aber ich habe gewusst, was auf mich zukommt. Ich bin noch jung ich, ich habe noch die Zeit."