Herr Flick-Flack-Flitzer-Unterhose ...
Flick-Flack-Flitzer-Unterhose Unterhose: "Nennen Sie mich bitte doch einfach Flick."
Gut, Herr Flick. Das Wichtigste am Anfang: Wie fühlen sich?
Flick: "Ich fühle mich so schmutzig, so benutzt."
Verstehe. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber gehört das in Ihrer Berufsgruppe nicht einfach dazu?
Flick: "Was heißt hier Berufsgruppe? Ich wollte ja niemals Unterhose werden."
Ach ...
Flick: "Groß geworden bin ich in einer chinesischen Baumwollplantage. Das war ein Leben. Lauter Typen wie ich, herrlich."
Und dann?
Flick: "Dann wurde ich jäh aus meinem Leben gerissen. Anschließend übel traktiert. Mir wurde versprochen, ein formvollendeter Pullunder zu werden. Aber dann: Einfärben. Schnippeln. Nähen. Schwupps - war ich eine Unterhose."
Ein furchtbares Schicksal.
Flick: "Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich hätte ein schönes Leben haben können. Verschifft wurde ich mit tausenden Spitzen-Tangas. Ich sag's Ihnen: Auf See ging's im Container hoch her. Nichts muss, alles kann ..."
Klingt nett.
Flick: "Aber dann. Ankunft in Hamburg und ab mit dem Zug nach Augsburg. Da wurd's dann richtig schlimm. Nichts mehr mit Bunga-Bunga. Ab in den Keller eines Modehauses. Neben mir: Feinripp-Schlüpfer, Unterhemden, Winterstrümpfe."
Wie kam es zu der weiteren Wendung in ihrem Leben?
Flick: "Ich dachte, alles wird gut, als ich von der Stange genommen wurde und zu meinem neuen Träger mit nach Hause durfte. Da wurde aber nur alles schlimmer."
In wie weit?
Flick: "Ach ihr Menschen macht Euch ja keine Vorstellungen, welch schrecklich Dasein wir Unterhosen fristen. Achtlos werden wir in düstere Schubladen gesteckt. Bei Massentierhaltung ist der Aufschrei groß, aber wir haben einfach keine Lobby. Dann werden wir 'rausgezogen. Über Körperstellen gestreift, die man nicht sehen will. Und dann der Überlebenskampf."
Mit Verlaub: Jetzt übertreiben Sie aber ein wenig.
Flick: "Ach ja? Schon mal was von Arsch frisst Hose gehört?"
Nun gut. Wie haben Sie denn den vergangenen Sonntag erlebt?
Flick: "Anfangs war es ein ganz normaler Tag. Mein Träger war auch jemand von dem man so etwas nie erwartet hätte - aber so ist es ja meistens. Ich hab mir dann aber schon gedacht: Auweia, heute könnte etwas passieren. Wissen Sie, ich wurde des Öfteren 'runtergestreift. Sie wissen schon: menschliches Bedürfnis. Ob es Alkohol war oder Nervosität - ich weiß es nicht. Auf einmal wird mir kalt. Merke, mein Kumpel Levis ist weg. Erst ein Gefühl der Freiheit. Ich sehe eine grüne Fläche, viele Menschen. Aber dann ( Herr Flick stockt)...
Machen Sie eine Pause, wenn es nicht mehr geht.
Flick: "Nein, es tut ja gut darüber zu reden. Dann werde ich ausgezogen und achtlos weggeworfen. Wie ein Zigarettenstummel. Anschließend tritt mich ein Mann in kurzen Hosen und seltsamen Schuhen quer über diese Grünfläche."
Das muss Ihnen weh getan haben.
Flick: "Aber die seelischen Schäden sind schlimmer als die textilischen."
Das Schlimmste scheinen Sie ja nun überstanden zu haben.
Flick: "Ach ja? Wie fänden Sie es denn, in einem nach Alkohol stinkenden Becher feil geboten zu werden? Einfach an den Höchstbietenden verkauft zu werden. Das ist doch kein Leben."
Danke für das Gespräch.
Die Fragen stellten Stefan Drescher und Tilmann Mehl