Das Spiel in Bielefeld war gestern Abend gerade abgepfiffen, da legte Jos Luhukay seinen Arm lange um die breiten Schultern seines Torhüters, der am Spielfeldrand kniete. Der Trainer des FC Augsburg wusste ganz genau, dass er sich bei Simon Jentzsch nach diesem 2:0-Sieg ganz besonders bedanken musste. Denn gerade im ersten Spielabschnitt hielt der Mann zwischen den Augsburger Pfosten sich und seine Kollegen mit zahlreichen Paraden und tollen Reflexen im Spiel. Der überragende Jentzsch hielt die drei wichtigen Punkte fest, verhinderte damit einen echten, für die Augsburger allerdings wohl schlechten Aprilscherz auf der Alm (Spielbericht im überregionalen Sport).
Zumindest bis zum Sonntag können sich die Schwaben an der Tabellenspitze der Zweiten Bundesliga sonnen. „Wir haben jetzt die Berliner Hertha unter Druck gesetzt“, freute sich auch Stephan Hain. Der blonde Stürmer brachte mit seinem Führungstreffer die Gäste auf Siegeskurs. Zuletzt nach einem kleinen Durchhänger nur sporadisch eingesetzt, profitierte der gebürtige Niederbayer in Osttwesfalen natürlich vom Fehlen der eigentlich gesetzten Kollegen Michael Thurk und Torsten Oehrl.
Freilich, Hain zeigte sich auch sehr selbstkritisch. Denn wie den rund 200 Augsburger Fans auf der Tribüne und den Verantwortlichen auf der Bank hat ihm der Auftritt der Mannschaft im ersten Spielabschnitt nicht gefallen. „Das war nichts, vielleicht waren wir doch etwas zu arrogant“, gab Hain zu. Doch am Ende war er wieder mal hochzufrieden, mit seinem wichtigen Treffer und der Leistungssteigerung nach der Pause.
Matchwinner Jentzsch wollte von den Lobeshymnen auf seine Person allerdings nichts hören: „Ich betreibe einen Mannschaftssport und auf persönliche Eitelkeiten lege ich keinen Wert. Es ist mir egal, welche Noten ich bekomme. Wichtig ist, dass wir als Kollektiv funktionieren.“
Er war angesichts der Leistung in der ersten Hälfte richtig angefressen: „So dürfen wir nicht in das Spiel gehen. Wir haben gewusst, dass Bielefeld nichts mehr zu verlieren hat. Wir sind nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen.“
Das zweite Gesicht gezeigt
Doch in Unterzahl zeigte der FCA sein zweites Gesicht. „Wir mussten was ändern und wir wussten auch, dass wir die nötige Qualität haben Bielefeld zu schlagen – auch mit zehn Mann. Wir haben auf unsere Chance gewartet und sie dann genutzt“, erklärte Jentzsch die Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte. „Wenn wir oben dran bleiben wollen, dann müssen wir immer alles geben. Für mich zählen nur Platz eins oder zwei, in die Relegation will ich in dieser Saison nicht mehr gehen“.
Auch Lukas Sinkiewicz, der Torschütze zum 2:0, atmete nach den 90 nervenaufreibenden Minuten durch: „Das war heute ganz wichtig. Wir haben die ganze Woche darüber gesprochen, wie hart es wird. Wir wollten die drei Punkte holen, egal wie und das ist uns gelungen.“ Ein wichtiger Sieg auf dem Weg zum großen Ziel, dem Aufstieg in die erste Bundesliga.