Sonntag, 22. Oktober 2017

28. September 2017 16:24 Uhr

Kommentar

Der Anti-Pep: Darum musste Carlo Ancelotti gehen

Carlo Ancelotti kam als Meister seines Fachs zum FC Bayern. Doch seine Verpflichtung beruhte auf einem Missverständnis.

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Carlo Ancelotti brachte nie wirklich Struktur in das Spiel des FC Bayern.
Foto: Patrik Stollarz, afp

Es war nicht das 0:3 in Paris, das Carlo Ancelotti den Job kostete. Der FC Bayern entlässt seinen Trainer nicht aufgrund eines schlechten Spiels. Der FC Bayern hat seinen Trainer aufgrund der Entwicklungen in den vergangenen 14 Monaten entlassen. In der Paris-Partie zeigten sich eben nur allzu deutlich sämtliche Schwierigkeiten, die sich seit der Ankunft Ancelottis in München angehäuft hatten. Sie zu ignorieren, auf plötzlich einsetzende Besserung zu hoffen, war nicht mehr möglich.

Die Münchner hatten Ancelotti verpflichtet, weil sie nach dem supersuperstrukturierten Pep Guardiola ihren Spielern auch mal wieder mehr Freiheit gönnen wollten. Ancelotti galt als Meister der Kabine. Als einer, der eine Mannschaft hinter sich versammeln kann. Taktisch und technisch waren die Münchner so gut geschult, jetzt bedurfte es nur noch eines ausgeglichenen Moderators. Hofften Rummenigge und Hoeneß. Sie täuschten sich gleich in vielerlei Hinsicht.

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Guardiola hinterließ seinem Nachfolger zwar ein perfekt funktionierendes Team, aber eben auch eines, das auf einen Umbruch zusteuerte. Xabi Alonso und Philipp Lahm haben ihre Karriere mittlerweile beendet. Arjen Robben und Franck Ribéry befinden sich auf der Zielgerade ihrer Laufbahn. Ancelotti aber liegt nichts daran, eine Mannschaft neu auszurichten. Er arbeitet am liebsten mit gut ausgebildeten Spielern. Das tat er bei seinen vorherigen Stationen in Madrid, bei Chelsea, dem AC Mailand und Paris. In München wären andere Fähigkeiten gefragt gewesen.

Nach der deutlichen Niederlage in der Champions League muss der Italiener Carlo Ancelotti den Trainerstuhl verlassen. Der Interimstrainer steht bereits fest.

Carlo Ancelotti konnte dem Team nicht helfen

Ancelotti aber überließ die Mannschaft sich selbst, sah sich eher als Betreuer, denn als Trainer. So kam es, dass die zuvor spektakuläre Spielweise der Münchner immer beliebiger wurde, bis sie zuletzt jegliche Struktur verloren hatte. Aber auch Top-Spieler brauchen Hilfestellungen. Hilfestellungen, die Ancelotti nie geben konnte oder wollte.

Überraschenderweise verlor er dazu auch noch die Kontrolle über die Kabine. Verwirrende Personalentscheidungen führten neben ausbleibenden Ergebnissen zu einer angespannten Stimmung. Mit Robben, Ribéry, Mats Hummels und Jerome Boateng setzte er zuletzt gleich vier Spieler auf die Bank, deren Meinung intern großes Gewicht hat. Die Atmosphäre wäre nicht mehr zu retten gewesen. Die Trennung war der logische Schritt.

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Das ist der FC Bayern

Der FC Bayern ist der erfolgreichste Fußballverein Deutschlands. Am 27. Februar 1900 wurde der Verein gegründet. Er geht aus der Fußballabteilung des MTV München hervor. Der FC Bayern gewann in seiner Geschichte bislang 26 Mal die deutsche Meisterschaft und 18 Mal den DFB-Pokal. Außerdem waren die Münchner in allen internationalen Wettbewerben erfolgreich. So gewann man fünf Mal die Champions League (ehemals: Pokal der Landesmeister), ein Mal den Pokal der Pokalsieger (1967) und den Uefa-Pokal (1996). In den Jahren 1976 und 2001 gewannen die Münchner den Weltpokal, 2013 die Fifa-Klub-Weltmeisterschaft.

Für den FC Bayern München spielten unter anderem: Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Uli Hoeneß, Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge, Klaus Augenthaler, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Oliver Kahn, Mehmet Scholl und Michael Ballack.

Vorstandsvorsitzender des FC Bayern ist Karl-Heinz Rummenigge. Trainer der Mannschaft ist seit Juli 2016 Carlo Ancelotti.


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