Nach zwei Niederlagen feiert der FC Bayern München einen furiosen 4:1-Sieg über Angstgegner Werder Bremen. Die wichtigste Erkenntnis: Robbery ist zurück Von Anton Schwankhart

Der Sport hat den Angstgegner erfunden. Ein treffender Begriff. Schließlich entscheidet oft der Kopf über Sieg und Niederlage – oder wo immer man die Psyche verorten mag. Im Mannschaftssport erhält der Angstgegner eine besondere Note. Es ist allein der Klubname, der über viele Jahre Angst verbreitet. Die Akteure wechseln, spielen Golf, oder befinden sich bereits unter dem Rasen.
Angstgegner des FC Bayern ist seit Jahrzehnten Werder Bremen. Warum die Bremer? Wahrscheinlich, weil sich nach den ersten Bremer Siegen der Klubname zum Schreckgespenst gewandelt hat, das in den Köpfen der Bayern automatisch grüne Warnlämpchen aufleuchten ließ. Ergebnis: Gegen kein einziges Team haben die Münchner mehr Niederlagen kassiert als gegen Werder. Von den letzten fünf Bundesliga-Heimspielen hat der Rekordmeister gegen Bremen keines gewonnen. Ergebnisse der Angst.
Auch am Samstag ist sie wiederaufgetaucht, wenn auch nur kurz. Nach der Pause für knappe zehn Minuten. Davor und danach dominierten die Münchner eindrucksvoll das Geschehen in der ausverkauften Allianz-Arena. Die Mahnung von Uli Hoeneß nach der 2:3-Niederlage in Mainz, „Schluss zu machen mit dem Altherren-Fußball“, war auf offene Ohren gestoßen. Besonders bei Frank Ribéry. Der Franzose spielt seine beste Saison, macht mit Ball und Gegner, was er will, und erzielte die verdiente 1:0-Führung (22.). Arjen Robben saß zu dieser Zeit noch auf der Bank. Jupp Heynckes war offenbar erschrocken gewesen über das Tempo, mit dem er anfangs die Wiedereingliederung des lange verletzten Holländers betrieben hatte. Nun trat er die Bremse.
Der Tabellenvierte aus Bremen bemühte sich, ein eigenes Spiel zu entwickeln, präsentierte sich dabei aber nicht als Einheit. Zumutung war für die Bremer Fans der Auftritt von Marko Arnautovic. Thomas Schaaf, der in seinem grünen Allwetteranzug wie ein Parkwächter am Spielfeldrand stand, erlöste das Publikum mit der Abberufung des Österreichers. „Wir waren ein dankbarer Gegner. Wir waren nicht im Spiel“, brummte Schaaf hinter. Ein etwas zufällig entstandener Treffer des eingewechselten Markus Rosenberg, gefördert von Holger Badstuber, der dem Bremer nur Geleitschutz gab, erweckte überraschend doch noch den Angstgegner in den Bremern. Allerdings nur so lange, bis Robben, nach einem Foulspiel an Thomas Müller, den Strafstoß zum 2:1 (69.) verwandelte. Später schnappte Ribéry dem einschussbereiten Gomez den Ball vom Fuß und erhöhte auf 3:1 (77.), ehe Robben mit dem zweiten Strafstoß (Foul Ribéry/83.) für den Endstand sorgte.
Das Duo „Robbéry“ ist wieder zurück und damit auch die Konkurrenz der Diven untereinander. Er sollte ruhig etwas mehr an die Mannschaft denken, beschied Ribéry dem holländischen Solisten, der beide Elfmeter schoss, obwohl Gomez dafür vorgesehen ist. Der Frust des Torjägers dürfte nicht annähernd so groß gewesen sein wie jener des Bremers Aaron Hunt, der dem Münchner Toni Kroos in die Knochen gesprungen war. Hunt hatte dabei nicht so viel Glück wie Claudio Pizarro, dessen Ellbogenstoß (42.) gegen Badstuber ungeahndet blieb – Hunt dagegen sah Rot. Kroos überstand den Anschlag unverletzt, kann also im bedeutungslosen letzten Champions-League-Gruppenspiel am Mittwoch bei Manchester City spielen.
Derlei Themen verschwanden freilich rasch hinter der Freude über das Ende der Mini-Krise und die Rückkehr an die Tabellenspitze. Schließlich stand den Stars noch ein fröhliches Heimspiel bevor, das sich unter anderen Umständen aber zur unangenehmen Auswärtspartie entwickelt hätte.
Am gestrigen Sonntag waren die Bayern nämlich zu den Weihnachtsfeiern der Fanklubs ausgeschwärmt – und die Tabellenführung ist dem Bayern-Anhang lieber als ein frustriertes Robben-Gesicht mit Rauschebart.
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