Die Deutsche Fußball-Liga reagiert auf die Kritik an ihrem Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" mit mehr Dialog. Juristen halten das Papier für "rechtswidrig", Fans sind skeptisch. Von Johannes Graf

Ein wenig überrascht wirkten die Verantwortlichen der Deutschen Fußball Liga (DFL) dann doch: darüber, dass die Klubs und die Fans sich derart kritisch über das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ äußerten; darüber, dass Vereine wie der VfL Wolfsburg, Hertha BSC Berlin oder der FC Augsburg dieses in seiner Gesamtheit ablehnten. Nun reguliert die DFL den öffentlichen Schaden, bemüht sich redlich, den Maßnahmenkatalog gegen Gewalt und Randale zu retten und Politiker und Fans zu beruhigen.
Peter Peters, der Vorsitzende der Kommission „Sicheres Stadionerlebnis“, stellt klar, dass es sich bei dem vorgestellten Entwurf „weder um ein abschließendes Konzept noch um ein finales Arbeitsergebnis handelt“. In den jüngsten Tagen sei der Eindruck entstanden, der Ligaverband wolle sein Konzept unabgestimmt umsetzen. „Dies ist zu keiner Zeit der Fall gewesen“, bekräftigt Peters.
Um die Wogen zu glätten, will sich die Sicherheitskommission zeitnah mit Fan- und Sicherheitsvertretern der Klubs treffen, zudem soll vor der entscheidenden Liga-Vollversammlung am 12. Dezember, auf der das Konzept verankert werden soll, eine Informationsveranstaltung stattfinden. Die Botschaft der DFL: mehr Dialog.
Der Ligaverband muss nachbessern, nachdem Vereine in ihrem „Club-Feedback“ etliche Ansätze für gut befanden, diverse Punkte des Konzepts, das ab der Saison 2013/14 gelten soll, jedoch stark infrage stellten. Für Aufsehen sorgte dabei Zweitligist Union Berlin. In einem mehrseitigen Dossier deckte er Schwachstellen auf. „Einigen konstruktiven und nachvollziehbaren Ansätzen steht eine Vielzahl von oben herab bestimmter Maßregelungen und rechtlich anzuzweifelnden Sanktionierungen entgegen, die nicht zur Normalisierung beitragen“, hieß es dort.
Für den Bundesligisten FC Augsburg war das Konzept „nicht realistisch umsetzbar“; der Dachverband der FCA-Fanklubs, der „Supporters Club“, lobte positive Ansatzpunkte wie die Schulung von Ordnern, stellte jedoch fest, dass das Augenmerk auf mehr repressive Strafen und Überwachung gelegt werde.
Noch schärfer beurteilte die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte den Maßnahmenkatalog. Er sei in weiten Teilen „rechtswidrig“. So stelle beispielsweise die angedachte Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinie – unter anderem Ausdehnung der Höchstlaufzeit auf fünf Jahre – in der Praxis ein „rechtlich unzulässiges Instrument mit Strafcharakter dar“ und sei „unverhältnismäßig“.
Kritisiert wurde von den Fanjuristen zudem die Ausweitung der Weitergabe von personenbezogenen Daten durch die Polizei an die Vereine, die „polizeistaatliche Fantasien erkennen“ ließen; und Vollkörperkontrollen in Containern an den Stadioneingängen durch private Sicherheitsdienste bedeuteten einen „erheblichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“.
Das Konzept der DFL wirkt, als sei es eine Reaktion auf den erhöhten Druck der Politik. Die sieht sich immer wieder mit schockierenden Bildern konfrontiert. Am Wochenende prügelten vor dem Revierderby zwischen Dortmund und Schalke Fangruppierungen; Polizisten wurden mit Flaschen und Pflastersteinen attackiert; im Stadion zündeten Schalker Randalierer Pyrotechnik.
Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier (CDU), hatte jüngst beklagt, dass der konsequente Ausschluss gewaltbereiter Fans für Fußballverantwortliche noch kein Thema sei. Vereine und Verbände lehnten technische Möglichkeiten zur Gewaltprävention ab, etwa die Personalisierung von Eintrittskarten. „Erreichen wir in absehbarer Zeit keinen Konsens, sehen wir als verantwortliche Innenminister keinen Grund mehr, auf eine Kostenerstattung für Polizeieinsätze in Stadien zu verzichten“, sagte Caffier.
Aussagen, die den früheren Sicherheitschef des Deutschen Fußball-Bundes verwunderten. Es unterhielten sich Personen über Themen wie Pyrotechnik, Gewalt, Stadionverbote und Sicherheitsrichtlinien, die von der Materie „null Komma null Ahnung“ hätten, monierte Helmut Spahn im Fußballfachmagazin 11 Freunde.
Fanvertreter, Bundesliga-Klubs und auch deren Sicherheitsexperten betonten zuletzt, dass zunehmende Gewalt in den Stadien nicht statistisch belegt werden könne.
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