Auch bei der angeblichen Tötung einer Ehefrau Bin Ladens ruderte das Weiße Haus zurück. Die Frau sei - anders als zunächst mitgeteilt - mit einem Schuss ins Bein verletzt worden, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney. Die Frau habe sich in demselben Zimmer befunden wie der Al-Kaida-Chef. Sie sei auf die US-Soldaten zugestürmt. Mit dieser Version rückte Washington auch von der Version von Anti-Terror-Berater John Brennan ab, wonach die Frau als menschlicher Schutzschild missbraucht und so getötet worden sei.
Pakistan sei über den Einsatz des Spezialkommandos nicht vorab informiert gewesen, so CIA-Chef Leon Panetta in einem Interview mit dem Magazin "Time". "Man hat entschieden, dass alle Versuche einer Zusammenarbeit mit den Pakistanern die Mission gefährden könnten."
Pakistans Präsident übte keinerlei Kritik am Vorgehen der USA. Asif Ali Zardari versicherte, eine "ein Jahrzehnt andauernde Kooperation und Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan" habe zur Tötung des Terroristen-Chefs geführt. Die Kommandoaktion sei allerdings "keine gemeinsame Operation" amerikanischer und pakistanischer Sicherheitskräfte gewesen.
Zardari sagte, Bin Laden sei an einem Ort gefunden worden, wo man ihn nicht vermutet habe. Allerdings bezweifeln Sicherheitsexperten, dass sich Bin Laden in Pakistan ohne Wissen von Geheimdiensten und anderen Behörden des Landes aufhalten konnte.
Werden Fotos des Getöteten veröffentlicht?
Noch hat das Weiße Haus nicht entschieden, ob Fotos von der Leiche Bin Ladens veröffentlicht werden sollen. Die Bilder seien zweifellos "grausig", sagte Carney. Deshalb werde geprüft, ob es nötig sei, sie zu veröffentlichen. Der Al-Kaida-Chef soll zweimal in den Kopf getroffen worden sein. Wie es in Medienberichten hieß, "explodierte sein Kopf".
Die Skeptiker in der amerikanischen Regierung hätten argumentiert, dass die Aufnahmen "zu grausig" seien, um sie freizugeben. Die Veröffentlichung sei nötig, um Zweifel auszuräumen, dass Bin Laden tatsächlich tot sei, meinten die Befürworter. CIA-Chef Panetta geht davon aus, dass ein Foto veröffentlicht wird.
In der Nacht zum Montag hatte ein US-Spezialkommando Bin Laden in einem stattlichen Anwesen in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad erschossen. Dort hatte der Terrorchef, so ein hochrangiger Anti-Terror-Berater von US-Präsident Barack Obama, "5 bis 6 Jahre" unbehelligt gelebt.
Kritik an Pakistan kommt von Politikern aus dem nachbarland. "Die pakistanische Regierung wusste immer, dass er da ist, aber wollte das vertuschen", sagte Afghanistans Ex-Handelsminister Mohammad Amin Farhang dem Deutschlandfunk. Sein hochgesichertes Versteck beweise, dass Pakistan Top-Terroristen Unterschlupf gewähre.
Die USA hoffen auf neue Erkenntnisse über die Pläne von Al-Kaida. Beim Sturm auf sein Anwesen stellten Soldaten einen Computer und mehrere Festplatten sicher. So sei ihnen ein wahrer Schatz an Informationen in die Hände gefallen, der nun ausgewertet werde, berichtete das US-Onlinemedium "Politico".
US-Präsident Obama will am Donnerstag Ground Zero in New York besuchen. An der Stelle, an der am 11. September 2001 Al-Kaida-Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten, will er sich mit Angehörigen der Opfer treffen. (dpa/afp)
Gastbeitrag Zardari in der Washington Post