Samstag, 25. Oktober 2014

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Foto: Richard Lechner

Kultur und Natur satt: Das Nördlinger Ries ist deutschlandweit eine beliebte Tourismusregion. Dabei ist nicht nur der alte Meteoriten-Einschlagkrater ein Alleinstellungsmerkmal. Von Jim Benninger.

Das Nördlinger Ries ist ein „Naturraum des Schwäbischen Keuper-Lias-Lands im südwestdeutschen Stufenland“, vermeldet kurz und sachlich das Internet. Dabei ist der kreisförmige, flache Krater, der sich auffällig in die hügelige Landschaft der Schwäbischen Alb eingräbt, einer der außergewöhnlichsten Lebensräume auf unserem Planeten.

Wurde ihm aufgrund hier gefundener Gesteine, insbesondere des Suevits, in früheren Jahren noch eine vulkanische Entstehung nachgesagt, konnte erst vor einem halben Jahrhundert nachgewiesen werden, dass der Krater Überrest eines wohl knapp 15 Millionen Jahre alten Meteoriten-Einschlagkraters ist. Und somit der am besten erhaltene Impaktkrater der Erde. Das Gebiet entwickelte sich zum fruchtbaren Bauernland und zur „Kornkammer Schwabens“. Mittlerweile gehört das Donau-Ries zu den deutschen Landkreisen mit den meisten dieser Biogasanlagen.

Intakte Landschaft

Aber auch sonst hat sich dieser außergewöhnliche Lebensraum besonders nach dem Zweiten Weltkrieg verändert. Immer mehr Straßen und Verkehrseinrichtungen, öffentliche Gebäude, Siedlungen, landwirtschaftliche Großbauten und Fotovoltaikanlagen verschlingen früheres Bauern- und Naturland. Dennoch präsentiert sich dieser besondere schwäbische Landstrich immer noch als verhältnismäßig intakte grüne Feld- und Wiesenlandschaft.

Im Grenzgebiet zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb lebt man gut, zumal auch die Arbeitslosigkeit hier mit derzeit nur zwei bis drei Prozent mit zu den niedrigsten Quoten im ganzen Bundesgebiet zählt. Zudem ist das Ries wegen vieler Sehenswürdigkeiten bei Einheimischen und immer mehr Auswärtigen beliebt. So steigerte allein Nördlingen in den vergangenen Jahren seine Übernachtungszahlen von 50 000 auf nahezu das Doppelte. Auch die Besucherzahlen im Ries stiegen erneut an, sicherlich auch wegen der Ausrufung des örtlichen Geoparkes, der sich vor allem über den Landkreis Donau-Ries erstreckt.

Tolle Veranstaltungen

Viele der Besucher kommen auch zu den Festen und Aktionen, wie der jährlichen Mess’, dem vier Wochen dauernden „Romantischen Weihnachtsmarkt“, dem alle zwei Jahre veranstalteten „Citta-Slow-Festival“, oder dem alle drei Jahre stattfindenden „historischen Stadtmauerfest“ in die Riesmetropole.

Diese hat vor allem mit seiner umgängig begehbaren und nahezu komplett überdachten 2,5 Kilometer langen Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert etwas ganz Besonderes zu bieten. Aber auch das Bayerische Eisenbahnmuseum in den Hallen des einstigen Lokdepots der Königlich Bayerischen Staatsbahn im östlichen Bereich des Bahnhofs mit über 100 Originalfahrzeugen bis zur eleganten Schnellzuglok, das Stadtmuseum mit seinen interessanten Sammlungen auf vier Stockwerken, das Stadtmauermuseum, das Museum „augenblick“ oder das Rieskratermuseum sind sehenswert.

Aussterbender Beruf

Nicht zu vergessen die große evangelische St.-Georgs-Kirche am erst vor Kurzem mit Wasserspielen ausgestatteten Marktplatz und ihrem 90 Meter hohen Daniel. Auf diesem tun zudem noch die letzten in Deutschland angestellten „Türmer“ Dienst.

Auf den Nördlinger Turm sind es immerhin 350 Stufen, doch oben kann man vom rundum begehbaren Daniel-Kranz auf die Rieser Landschaft blicken. Diese liegt zum größeren Teil im bayerischen Landkreis Donau-Ries, zum kleineren im baden-württembergischen Ostalbkreis. Bei gutem Wetter sind dort eine Vielzahl von Städtchen, Dörfern und Weilern inmitten der schönen Rieser Landschaft zu sehen, durchflossen von Eger und Wörnitz. Zudem liegen hier nicht weniger als drei der „schönsten Geotope Bayerns“.

Nicht nur landschaftlich ist hier einiges geboten: So wurde in der Auhausener Klosterkirche im Mittelalter die Deutsche Union gegründet, die einzig schwäbische Simultankirche steht in Ehingen und auf dem Rieser „Planetenweg“ kann man in 1,5 Stunden „von der Sonne bis zum Pluto“ wandern.

Ideal zum Radeln

Dazu gibt es eine Vielzahl Wander- und Radwege, wegen der flachen und nur wenig hügeligen Landschaft gut zu bewältigen. So kann man beispielsweise in drei Stunden von Nördlingen durch das Ries nach Alerheim radeln, die Wörnitz entlang nach Oettingen und wieder zurück. Über 50 Kilometer sind dabei gerade mal 90 Höhenmeter zu bewältigen.

Und unter den vielen Wanderwegen gibt es beispielsweise den „Sieben-Hügel-Weg“, der überwiegend abseits des motorisierten Verkehrs in fünf Stunden über 18,5 Kilometer um Alerheim, Wörnitzostheim, Heroldingen, Lierheim und Appetshofen geht. Dieser Rundwanderweg verknüpft geologische, archäologische und kulturhistorische Besonderheiten und durch seine Wegführung über sieben markante Erhebungen des südöstlichen Rieses bieten sich immer wieder Rundblicke über den gesamten Meteoritenkrater. Sie sehen also: Das Ries ist auf jeden Fall eine Reise wert.

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