Enoch zu Guttenberg dirigierte kürzlich das „Orchester der KlangVerwaltung München“ und die Chorgemeinschaft Neubeuern. Damit erlebten mehr als 2500 Zuhörer das ergreifende Zusammenspiel von barocker Pracht und Guiseppe Verdis „Messa da Requiem“ in der ausverkauften Basilika.
Trotzdem kommen nicht nur Klassikfans auf ihre Kosten - ein Jahr vor dem 1250-jährigen Jubiläum der Benediktinerabtei: Für alle Aktiven erscheint zum Sommer eine Wanderkarte mit Begleitheft, die zu Fuß und per Rad durch das Sebastian-Kneipp-Land führt.
Kaum ein sakraler Konzertsaal steht eindrücklicher für das Schaffens-Credo Anton Bruckners, als die Ottobeurer Basilika: „Zur höheren Ehre Gottes“ stehen hier Werke des österreichischen Klangmalers seit über 60 Jahren auf dem Programm. So auch 2013: Am 21. Juli gibt das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, unter der Leitung von Michael Sanderling, Bruckners Symphonie Nr. 4 Es-Dur, „die Romantische“.
Am 15. September dirigiert Marc Albrecht die f-Moll-Messe mit der „Philharmonia Zürich“, ehemals Orchester der Oper Zürich, samt deren Chor. Trotzdem bleiben auch die diesjährigen Basilika-Konzerte ganz ohne Applaus – stattdessen erklingt zum Abschluss der sonntäglichen Nachmittagskonzerte das feierliche Abteigeläut. Es zählt mit seinen sieben Glocken zu den tontiefsten Glockenensembles in Bayern und beeindruckt Konzertbesucher und Künstler jedes Mal aufs Neue.
Die drei Basilika-Konzerte und 14 Musikveranstaltungen im Kaisersaal der Abtei stimmen heuer ein auf 1250 Jahre ununterbrochenes Wirken der Mönche in Ottobeuren.
Ganz in der Kulturtradition des Klosterortes steht auch das Fünf-Millionen-Projekt „Museum für zeitgenössische Kunst Diether Kunerth“, das 2014 im Kneippkurort seine Pforten öffnet. Das moderne Bauwerk ist, wie auch die virtuelle Ortschronik, die seit dem Frühjahr eine Vielzahl historischer Dokumente im Internet zugänglich macht, ein Beispiel dafür, wie Tradition und Geschichte zeitgemäß weiterentwickelt werden und damit Bestand haben.
Ganz im Hier und Jetzt ist deshalb auch die traditionelle Nachwuchsförderung im Rahmen der Kaisersaal-Konzerte: Neben dem Abschlusskonzert im Wettbewerb „Jugend musiziert“ und Konzerten mit der „Jungen Philharmonie Schwaben“, dem „Schwäbischen Jugendsinfonieorchester“ und internationalen Preisträgern vom Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg, präsentierte das Bläserquintett „vierpluseins“ „Klassik für Kinder“ mit Peter Francesco Marinos Komposition zum Grimm-Märchen „Der gestiefelte Kater“. Namhafte internationale Ensembles und Solisten gesellen sich dazu: Etwa das „Hassler Consort“, das am 20. Juli Musik aus Renaissance und Barock auf Originalinstrumenten spielt.
Auch abseits von Kunst und Klassik bietet Ottobeuren seinen Besuchern eine Menge. Denn die Infrastruktur hat zu allen Zeiten von der Benediktinerabtei profitiert. Terrainwege durch den sogenannten Bannwald oder Spazierwege im Kneipp-Aktiv-Park sind gestaltet nach der Lehre von „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp. Ottobeuren interpretiert die fünf Gesundheits-Säulen des im nahen Weiler Stephansried geborenen Kneipp zeitgemäß.
Ähnliche Wege schlägt eine neue Wanderkarte Ottobeuren-Bad Grönenbach ein. Sie listet im Begleitheft Höhenprofile, Einkehrtipps und 38 sehenswerte Kapellen auf und erschließt die Naturlandschaft im Biotopverbund Günztal für Aktivurlauber und Erholungssuchende aktiv und zugleich kontemplativ.
Eines von vielen faszinierenden Zielen sind die „Geologischen Orgeln“, eine vor bis zu 600.000 Jahren entstandene Gesteinsformation mit bis zu 15 Meter langen, ausgewaschenen Felsröhren. Eine „Radfibel“ mit 46 Touren führt durchs „Kneippland Unterallgäu“, seit dem Frühjahr liefert das Jahresmagazin „Fit für Ottobeuren 2013“ weitere Tipps. Drei Tage Wandern sind hier zudem erschwinglich. Mehr Infos im Touristikamt Kur & Kultur. pm