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Stadt Wertingen: An Brücken nagt der Zahn der Zeit

Stadt Wertingen

An Brücken nagt der Zahn der Zeit

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    Christian Neidlinger ist bei der Stadt Wertingen für die Brücken zuständig.
    Christian Neidlinger ist bei der Stadt Wertingen für die Brücken zuständig.

    Wertingen Die meisten auswärtigen Gäste des Landgasthauses Stark in Gottmannshofen werden noch nie bemerkt haben, dass sie kurz vor dem Wirtshaus eine Brücke passieren. Es handelt sich um die Bliensbach-Brücke. Sie überspannt ein Bächlein, das gerade mal zwei Meter breit ist – und sie ist in so desolatem Zustand, dass sie 2013 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden muss.

    Wertingen teilt sich mit Venedig den Brückenreichtum. „Wir haben 38 Brücken zu betreuen“, betont Christian Neidlinger, Maurermeister aus Unterthürheim und bei der Stadt als technischer Mitarbeiter seit Februar 2012 unter anderem für die Brücken zuständig.

    Der 30-Jährige weist auf einen Aktenschrank in seinem Büro: „Für jede unserer Brücken gibt es ein Brückenbuch, in dem der Zustand des Bauwerks genau dokumentiert wird!“

    Die 38 Brücken der Stadt fallen selbst Einheimischen kaum auf. Es handelt sich zumeist um reine Funktionsbrücken ohne aufwendige optische Gestaltung. Und in Wertingen gibt es keine großen Flüsse zu überspannen, sondern Rinnsale wie die Zusam, den Zusamkanal, den Bliensbach oder die Gräben im Donauried. Dennoch: Die Tragfähigkeit muss gegeben sein und deswegen schwärmen die Baufachleute der Stadt laut DIN 1076 – welche die Kontrolle vorschreibt und regelt – jährlich zweimal zu einer „einfachen Sichtprüfung“ aus. Zudem wird jede Brücke einmal im Jahr intensiver auf Herz und Nieren geprüft. „Das dauert ein bis zwei Stunden pro Bauwerk. Es wird ein Protokoll angelegt, die Konstruktion in Augenschein genommen und nachgesehen, ob es keine Ausspülungen gibt“, so Neidlinger. Hauptprüfungen stehen dann alle sechs Jahre an. Diese werden von einem Ingenieurbüro durchgeführt. Man verwendet Boote, um die Brücken von unten zu begutachten oder auch Brückenunteransichts-Gerüste.

    So geschah es 2011 in Gottmannshofen und die Ingenieure sahen, dass der Zahn der Zeit an dem 1952 errichteten Bauwerk genagt hatte. Man beschränkte die Tonnage-Zahl auf zwölf Tonnen, denn der Stahl im Beton ist angerostet und auch die Auflager müssen erneuert werden. Für eine Sanierung sind die Schäden zu gravierend. Deswegen wird 2013 ein Neubau die Bliensbach-Brücke ersetzen.

    Christian Neidlinger meinte, es sein noch zu früh, um über Kosten zu sprechen. Derzeit werden zudem auch noch die Fördermöglichkeiten ausgelotet. Im Herbst 2012, wenn die Planung fertig ist, kann man abschätzen, was für Kosten auf die Stadt zukommen.

    Die 62 Jahre alte Brücke in Gottmannshofen ist nicht die einzige, die im kommenden Jahr ersetzt werden soll. In Roggden steht am Fuße des Maibaums die Aufbach-Brücke, ebenfalls eine Stahlbetonbauwerk über einen kleinen Bach. Man weiß bislang nur, dass sie 2013 erneuert werden muss. Derzeit wird geprüft, ob die Widerlager des Bauwerks erhalten bleiben können.

    38 Brücken! Es ist möglich, dass in naher Zukunft noch weitere Reparaturen oder Neubauten auf die Stadt zukommen. Brücken werden heute mehr strapaziert als noch vor einem halben Jahrhundert: Lastwagen und landwirtschaftliche Fahrzeuge sind schwerer geworden. Und auch Brücken altern: Erst jüngst musste das „Blaue Brückle“ – eine hölzerne Fußgängerüberführung – erneuert werden. Man baute aber keine Holzbrücke mehr, sondern eine Stahlkonstruktion, weil diese länger halten dürfte.

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