Binswangen Regenschauer vor Konzertbeginn ließen so manchen Besucher fast „aus den Fugen“ geraten. Doch die meisten in der fast vollen Synagoge kamen rechtzeitig und trockenen Fußes in einen der schönsten Konzertsäle des Landkreises Dillingen, wo sie dann doch nach wenigen Minuten „aus den Fugen“ gerieten. Denn was die beiden Ensembles Vox Orange und Saxofourte an musikalischer Virtuosität, humorvollen Arrangements und abwechslungsreicher Mischung aus „beswingten“ Bachinterpretationen und modernen Pop-Rock-Barock-Melodien boten, war auch für versierte Konzertbesucher ein Klangerlebnis der besonderen Art.
Die Fuge ist eigentlich eine strenge musikalische Komposition mit besonderer Anordnung von Imitationen. Von dieser formalen Strenge ist von Anfang an wenig zu spüren, denn auch Bach´sche Motetten oder Sonaten werden mit spielerischer Leichtigkeit aufgelöst. Da verwandeln Christiane Reismüller (Sopran), Barbara Lutz (Mezzosopran), Michaela Klocke (Alt), Cornelius Menig (Tenor) und Wolfram Schild (Bass) eine Orgelsonate oder eine Cembalo-Suite mit ihrer Stimmakrobatik in ein swingendes und klingendes Naturereignis. Kongenial ergänzt werden die A-Cappella-Künstler durch die Saxofonisten Thomas Sälzle (Sopransaxofon), Christoph Heeg (Altsaxofon), Simon Hamrath (Tenorsaxofon) und Daniela Wahler (Baritonsaxofon), die mit ihrer überbordenden Spielfreude und ihren leidenschaftlichen Tangointerpretationen das Publikum zu Beifallsstürmen hinreißen.
Dass barocke Fugen auch in die Gegenwart transportiert werden können, natürlich in einem humorvoll-charmanten Mix mit Pop-, Jazz- und Rockrhythmen, beweisen die beiden Ensembles im letzten Teil ihres eineinhalbstündigen Programms. Da verschmelzen Melodien der Beatles, von Pink oder Take Five zu einem „Kanon aus Fugen“, der noch einmal die ehrwürdige Synagoge in den Grundfesten erzittern lässt. Es gelingt den neun Musikern und Sängern mit Charme und spielerischer Leichtigkeit, barocke Perlen in zeitgemäßem Gewand zum Leuchten und das Publikum in Ekstase zu bringen. Das Zusammenspiel von Vokal- und Instrumentalmusik macht den unnachahmlichen Reiz dieser launigen und kreativen „Fugenreise“ durch die barocke und moderne Musikwelt aus.
Kein Wunder, dass bei dem nicht enden wollenden Schlussapplaus alle miteinander, Sänger, Musiker und Publikum vor lauter Glücksgefühl etwas „aus den Fugen“ gerieten. Der Kleinkunstbühne Lauterbach ist mit dem Konzertangebot wieder einmal ein Glücksgriff gelungen, der vom Publikum mit einem dankbaren „Weiter so!“ honoriert wurde. (mas)