Frauenstetten/Blindheim Der heilige Bartholomäus hat ein grausames Martyrium erlitten – er wurde gehäutet. Daran erinnert ein altes Gemälde, auf dem er mit dem Messer, mit dem er gefoltert wurde, abgebildet ist. Es gehört zu den zwölf Apostelbildern, die normalerweise in der Annakirche in Frauenstetten hängen sollten. Derzeit sind sie ausgelagert und werden in Blindheim im Atelier von Kirchenmaler Wolfgang Lorenz restauriert.
Die weißen Handschuhe, die er sich über die Finger gestreift hat, deuten darauf hin, dass es sich um eine Sisyphosarbeit handelt. Denn die Farben der oft durchlöcherten Bilder sind zerbröckelt, zum Teil fehlen ganze Stücke und die ebenfalls bröselige Leinwand kommt zum Vorschein. Das, was noch übrig ist, muss in mühevoller Kleinarbeit wieder hergestellt werden. „Zunächst mache ich eine Sicherungsklebung“, erklärt Wolfgang Lorenz, der aus Oberthürheim stammt und seit einigen Jahren seine Werkstatt als selbstständiger Kirchenmaler im historischen Lehrerwohnhaus in Blindheim betreibt. Der Kunsthandwerker klebt mit Kleister Japanpapier auf das Gemälde, dann hobelt er vorsichtig, Schicht für Schicht, per Hand die Holzbretter ab, auf denen die Leinwand befestigt ist.
So legt er von hinten die Leinwand frei. Danach zieht er sie auf einen Keilrahmen auf und vernagelt sie. Jetzt kann die Restaurierung der aufgetragenen Farben beginnen. Dem Bartholomäus fehlt das halbe Gesicht. „Ausbruchstellen werden mit Kreidegrund ausgekittet“, lässt Wolfgang Lorenz wissen, „dann wird Löchle für Löchle ausretuschiert.“ Er verwendet Pulverfarben aus Erden und achtet darauf, dass sie möglichst originalgetreu ausfallen. Außerdem wählt er zum Schluss einen schlichten Rahmen für die Apostelbilder: „Sie sollen in der Kirche nicht auftragen.“
Die Apostelbilder wurden vor Jahrzehnten im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils und somit einer veränderten Kirchenlehre aus der Annakirche in den Dachboden des Frauenstettener Pfarrhofs verbannt. Dort waren sie häufigen Temperaturschwankungen ausgesetzt, deshalb der jetzige Zustand. Seit einigen Jahren ist die Kirchenverwaltung bemüht, die alten Schätze wieder in das Gotteshaus zurückzuholen.
Für Wolfgang Lorenz bedeutet dies Arbeit – überall in seinem Haus in Blindheim stehen die Apostelbilder und viele andere Restaurierungs-Stücke aus den Kirchen im Landkreis Dillingen und darüber hinaus.
Seine Arbeit führt ihn aber auch außer Haus - in die Kirche nach Mödingen, die für den Bischofsbesuch hergerichtet wird oder zur Klostermauer nach Obermedlingen. Lorenz arbeitet viel für den Denkmalschutz, macht Befunduntersuchungen und gibt Empfehlungen ab. Wichtig sind ihm auch Fortbildungen: „Die Restaurierungstechniken ändern sich ständig“, bemerkt Lorenz, „früher wurden Bilder einfach übermalt, heute steht das Original wieder im Vordergrund.“ Vieles werde auch einfach nur erhalten, nicht mehr ganz hergestellt, wenn es nur noch Bruchstücke davon gibt.
Ganz nebenbei renoviert Wolfgang Lorenz auch noch das schöne alte Lehrerwohnhaus, in dem er jetzt lebt. „Nächstes Jahr baue ich eine moderne Werkstatt an“, erzählt er, „da habe ich dann genügend Platz für alle meine Schätze.“