Sonntag, 19. November 2017

03. September 2016 06:00 Uhr

Zukunftsprojekt im Unteren Zusamtal

Die jüdische Kultur bekommt wieder ein Gesicht in Buttenwiesen

Die Gemeinde möbelt ihre Plätze neu auf. Eine neue Nutzung für die Synagoge und das jüdische Badhaus gehören zum Gesamtkonzept. Das muss noch diskutiert werden

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„Die nächsten zehn bis 15 Jahre wird sich Buttenwiesen deutlich verändern.“ Derzeit amtierender Bürgermeister Christian Knapp ist sich sicher, dass auch das jüdische Buttenwiesen darin eingeschlossen ist. Der neue Bürgermeister – Hans Kaltner wird im Oktober als Nachfolger von Norbert Beutmüller sein Amt antreten – „hat die Synagoge im Focus“, weiß Knapp. Derzeit befindet sich die Ortsmitte im Umbruch. Unter Regie von Norbert Beutmüller wurde die Umgestaltung der Plätze geplant, neue Pläne für den Marktplatz und den Schulplatz geschmiedet und diese im Städtebauförderprogramm aufgenommen.

Rund um diese Plätze hatte sich bis vor dem Zweiten Weltkrieg das jüdische Leben in Buttenwiesen abgespielt, die alte Synagoge und das jüdische Badhaus dahinter zeugen heute noch davon. Diese beiden Bauwerke rücken nun beim „Tag der jüdischen Kultur“ am morgigen Sonntag wieder ins Bewusstsein. Die Synagoge wurde in der Nachkriegszeit zur Schule umgebaut und als solche bis 1994 genutzt. In jüngster Zeit hatte dort der freie Kindergarten „Bienenkorb“ seine Bleibe, derzeit dient das Haus der evangelischen Kirchengemeinde für Versammlungen und Gottesdienste. Zudem unterhält der Heimatverein dort ein Depot für seine Ausstellungsstücke.

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„Die neuen Pläne erfordern nun eine politische Entscheidung“, erklärt Dr. Johannes Mordstein, Gemeindearchivar und Experte für die jüdische Geschichte in Buttenwiesen. Das Sanierungskonzept für die Plätze und jüdisch-historischen Gebäude müsse im Gemeinderat und mit dem neuen Bürgermeister diskutiert werden, die künftige Nutzung der Synagoge sei darin beinhaltet.

Wie Knapp ist sich auch Mord-stein sicher, dass der neue Bürgermeister Kaltner dafür ein offenes Ohr und schon Ideen im Kopf hat. Denn Hans Kaltner gehörte mit anderen engagierten Bürgern dem Ideenkreis an, der seine Gedanken zur Ortsgestaltung in die Planungen der Gemeinde einbrachte. Unter anderem gab es dabei die Vorstellung, die Synagoge und das anschließende ehemalige jüdische Wohnhaus zwischen Schul-und Marktplatz einmal für gemeindliche Zwecke zu nutzen. Der Marktplatz hieß früher übrigens einmal „Judenhof“, gibt Dr. Mordstein in diesem Zusammenhang zu bedenken. Doch alle Ideen und Pläne sind noch Zukunftsmusik, betont Mordstein, das müsse im Rahmen eines Gesamtpaketes diskutiert werden. Mordstein ist besonders die Mikwe, das jüdische Badhaus ein Anliegen. Auch hier ist die Nutzung noch nicht klar, sicher ist, dass das Häuschen, in dem sich Tauchbecken für das jüdische Ritualbad befinden, erhalten werden soll.

Die jüdische Kultur geht in Buttenwiesen bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück, eine Ansiedlung von Juden ist erstmals 1571 nachgewiesen. Die jüdische Gemeinde erlebte schnell eine positive Entwicklung und zählte bald zu den größten jüdischen Niederlassungen in Schwaben, informiert Dr. Mordstein in seinem Bericht zum 150-jährigen Bestehen der Synagoge, die 1857 eingeweiht worden war. „Angesichts der wachsenden Bevölkerungszahl vermehrten sich um 1850 innerhalb der Judenschaft die Stimmen, die eine Vergrößerung des bisherigen Synagogengebäudes befürworteten. Das erstmals um 1700 erwähnte alte Bet- und Versammlungshaus der jüdischen Gemeinde entsprach nicht mehr den Bedürfnissen der Zeit und war zu klein geworden“, schreibt Dr. Mordstein. Und weiter: „Als am 1. Mai 1852 die auf dem heutigen Schulplatz stehenden Wohnhäuser abbrannten und dabei auch der Vorbau der benachbarten Synagoge in Mitleidenschaft gezogen wurde, beschloss die israelitische Kultusgemeinde, die Gelegenheit für einen umfassenden Neubau am Schopf zu packen.“ Voller Stolz und Freude feierte die israelitische Kultusgemeinde am 20. und 21. Februar 1857 die Einweihung der neuen Synagoge. Doch die guten Zeiten für die jüdische Bevölkerung änderten sich.

„Der Rassenhass der Nationalsozialisten machte auch vor Buttenwiesen nicht Halt. Durch zunehmende Diskriminierung und Entrechtung wurden bis 1942 36 Juden zur Emigration gezwungen, die verbliebenen 37 Personen wurden deportiert und in Vernichtungslagern ermordet“, schreibt Mordstein. „Zu diesem Zeitpunkt diente das Synagogengebäude schon seit einigen Jahren nicht mehr als Bethaus. In der Reichspogromnacht 1938 wurde die Synagoge beschädigt, die Thorarollen und Ritualgegenstände wurden weggeschafft. Nach der Verschleppung der letzten Juden wurden die Bänke und Möbel aus dem Synagogeninneren versteigert, das Gebäude diente in den letzten Kriegsjahren als Lagerraum für kriegswichtige Güter.“

An die Zeugen jüdischer Kultur in unserer Heimat sollen nun beim Europäischen Tag der jüdischen Kultur in Binswangen und Buttenwiesen am Sonntag, 4. September, wieder erinnert werden. Der Förderkreis Synagoge Binswangen und die Gemeinde Buttenwiesen haben entsprechende Veranstaltungen organisiert. In Buttenwiesen lädt Gemeindearchivar Dr. Johannes Mordstein zu einem historischen Rundgang auf den jüdischen Spuren ein. Treffpunkt ist vor dem Buttenwiesener Rathaus (Marktplatz 4), 14 Uhr.

In Binswangen ist die Alte Synagoge (Judengasse 3) von 14 bis 16.30 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Um 15 Uhr wird dort der Film „Die Schul bewahren“ gezeigt, eine Dokumentation über die Geschichte der Juden in Binswangen und Schwaben und die Alte Synagoge. Der jüdische Friedhof am Judenberg Wertingen kann von 14 bis 16.30 Uhr besichtigt werden. Um 17 Uhr beginnt in der Synagoge die literarisch-musikalische Stunde. Im Mittelpunkt stehen Lesungen von jüdischen Kalendergeschichten mit musikalischer Umrahmung durch Elisabeth Urban, Felicitas Schwab und Maria Steffek. Der Eintritt ist frei.

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Ein Artikel von
Hertha Stauch

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Ressort: Lokalnachrichten Wertingen

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