Der Binswanger Hobbyfischer Philipp Miller bereiste mit Freunden Norwegen Von Günther Herdin

Binswangen Irgendwie hat sich Philipp Miller in Norwegen verliebt. Seit 2003 fährt der Binswanger mit Freunden und Bekannten jährlich zum Fischen in das skandinavische Land. Es ist die Ruhe und die Gelassenheit der Menschen in diesem nordeuropäischen Staat, die es dem 49-Jährigen angetan haben. Daran wird sich auch nach dem schrecklichen Attentat von Oslo und auf der Insel Utøya vom 22. Juli nichts ändern: „Ich bin nächsten Sommer wieder in Norwegen“, blickt Miller im Gespräch mit unserer Zeitung voraus.
Seit vergangenem Freitagabend ist der passionierte Fischer wieder zu Hause. 2170 Kilometer haben er und seine befreundeten Petrijünger mit zwei Kleinbussen zurückgelegt, um wieder heimischen Boden unter den Füßen zu haben. Fast 650 Kilometer ging die Fahrt von der Insel Hitra durch jenes Land, das sich seit eineinhalb Wochen in kollektiver Trauer befindet. Den Amoklauf von Oslo und Utøya hat Miller noch am Abend des 22. Juli mitbekommen. Er saß am Abend in seinem Ferienhaus mit seinen Freunden vor dem Fernseher, als in einem deutschen Sender gerade die unfassbaren Bilder gezeigt wurden.
„Wir bekamen auf einmal ein unsicheres Gefühl, irgendwie war alles doch ein wenig beängstigend“, schildert Miller seinen Gemütszustand vom schwärzesten Tag in der jüngsten norwegischen Geschichte. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, wer hinter dieser grausamen Tat steckt. „Der Verdacht, dass Islamisten den Massenmord begangen haben könnten, hat uns sehr beschäftigt“, erinnert sich der 49-Jährige. Auch noch am nächsten Tag, als sich die Fischer-Gilde aus Schwaben mit Gunar, dem norwegischen Hausmeister der Ferienanlage auf Hitra, unterhielt.
„Gunar war sehr betroffen“, erinnert sich Philipp Miller an das erste Gespräch mit dem Norweger nach dem Bekanntwerden der Wahnsinnstat“. Als sich am übernächsten Tag herausstellte, dass das Massaker von Andres Behring Breivik verübt wurde, sei die Betroffenheit bei der norwegischen Bevölkerung noch wesentlich größer gewesen. Laut Miller konnte es Hausmeister Gunar nicht glauben, dass ein eigener Landsmann so viele Menschen umgebracht hat.
Das Klischee von einer heilen Welt in Norwegen ist seit diesem 22. Juli Geschichte. Auch für Philipp Miller. Und dennoch werden er und seine Fischerfreunde in das Land der Fjorde und Seen in einem Jahr zurückkehren. Dann werden all die Blumen und Kränze, die sie bei der Rückfahrt nach Deutschland an den vielen Supermärkten und den öffentlichen Gebäuden gesehen haben, längst verwelkt sein. Und auch die Flaggen werden nicht mehr auf Halbmast wehen. „Die Menschen vergessen sehr schnell“, sinniert Miller. Er wird seinen Urlaub 2011 aber so schnell nicht aus dem Gedächtnis streichen. Zu schlimm seien die Ereignisse der letzten Tage in Norwegen gewesen.
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