Die Mädchen und Jungen der Staatlichen Realschule Wertingen müssen nach dem Zwischenzeugnis länger zur Schule. Schuld ist ein Elternteil. Ein Vater oder eine Mutter hatte gegen die Streichung einer Geschichtsstunde protestiert. Von Hertha Stauch

Grund für die Stundenplan-Änderung ist die Beschwerde eines Elternteiles vor dem Kultusministerium, in der bemängelt wurde, dass der Geschichtsunterricht um eine Stunde gekürzt wurde. Trotz Intervention des Elternbeirats beim Ministerium - Vorsitzende Gabriele Buberl: "Es handelt sich ja nur um die Beschwerde eines Einzelnen" - wurde dieser stattgegeben und deshalb muss die Schule nun für den Rest des Schuljahres ihren kompletten Betrieb, sprich Einteilung der Stunden und Lehrkräfte für das verbleibende halbe Jahr umorganisieren.
Elternvertretung und Schule arbeiten bereits am neuen Plan, sind aber nicht glücklich über die Entwicklung, zumal sie glaubten, mit der Kürzung der Geschichtsstunde im Sinne Aller zu handeln. Schulleiter Walter Conrad erklärt die Hintergründe: "Die Zahl der abzuhaltenden Wochenstunden ist in der Realschulordnung festgelegt. Erlaubt sind als Minimum 28, als Maximum 32 Wochenstunden." Seit zehn Jahren müssen aber auf Anordnung des Ministeriums je Schuljahr zwei Unterrichtsstunden gestrichen werden - "wohl aus finanziellen Gründen" - mutmaßen Elternvertretung und Schulleitung. Dabei sei es jeder Realschule freigestellt, in welchen Jahrgangsstufen und welchen Fächern sie die Kürzung vornehme, ausgenommen Religionslehre und Sport.
Nun einigten sich Elternsprecher und Lehrer zu Beginn des Schuljahres darauf, diesmal neben einer Stunde Biologie für die achten auch eine Stunde Geschichte für die neunten Klassen zu streichen. Somit ergaben sich für alle Klassen 30 Wochenstunden, was bedeutet, dass kein Jahrgang am Nachmittag Unterricht hat und dieser den weniger anstrengenden Wahlfächern vorbehalten bleibt. "Für die Schulgemeinschaft schien alles bestens geregelt zu sein," glaubten Walter Conrad und sein Vize Gerhard Härpfer.
Sie wussten aber nicht, dass ein Elternteil deshalb beim Kultusministerium vorstellig wurde. Leider hätte sich dieser nicht zuerst an die Elternsprecher oder Schule gewandt, sodass man die Sache hätte besprechen können. Erst nach dem Gespräch mit dem Ministerium war der Beschwerdeführer an den Elternbeirat herangetreten, berichtet Vorsitzende Gabriele Buberl. Vergeblich habe sie im Ministerium interveniert, sogar dort persönlich in München vorgesprochen. Der Vertreter des Ministeriums habe darauf bestanden, die Geschichtsstunde wieder einzuführen - ein Umstand, den sie nicht begreifen kann, zumal das Ministerium ursprünglich eine Stundenkürzung angeordnet und es dabei den Schulen überlassen habe, in welchen Fächern und Klassen sie kürzen.
Dass nun ein einziges Elternteil die Ordnung in der Realschule Wertingen durcheinander gebracht und damit auch im Ministerium Recht bekommen hat, nehmen sie mit Fassung hin und arbeiten bereits am neuen Stundenplan. Der hat zur Folge, dass die neunten Klassen nach den Faschingsferien am Montagnachmittag die Schulbank drücken müssen. Hertha Stauch
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