Wertingen Ferienbeginn, Sonne, Wärme, Urlaub – das ist für viele Pfingsten. Doch was steckt hinter dem christlichen Hochfest? Es gibt weder einen speziellen Gottesdienst noch Geschenke und gefestigte Rituale. Das Fest ist damit schwer greifbar. Genauso geht es den Menschen mit dem Heiligen Geist, der am Pfingstfest gefeiert wird. Der Geist – sind das die Gedanken, göttliche Eingebungen, intuitive Wahrnehmungen, transzendentale Verbindungen? Nehmen wir das alles überhaupt wahr im Stau auf der Autobahn, im eiligen Tun bei überfüllten Terminkalendern?
Dabei wünschen sich die Menschen Erholung. Die würde dem Pfingstfest entsprechen. Denn wer innere Ruhe findet, öffnet sich dem Heiligen Geist. Der kann helfen, sich des Lebenssinns bewusst zu werden. An die göttliche Aussendung dieses Geistes wollen die Pfarrer erinnern.
An Pfingsten haben die zwölf Apostel den Heiligen Geist empfangen. Damit konnten sie, wie durch ein Wunder – das sogenannte Pfingstwunder – plötzlich in allen Sprachen der Welt kommunizieren. Auch heute verstehen (sich) die Menschen oft nicht. „Sie leben in einer komplizierten und verwirrenden Welt“, sagt Wertingens katholischer Pfarrer Rupert Ostermayer gegenüber der WZ. In dieser hektischen Zeit sei der Heilige Geist hochnotwendig. Anderen zuzuhören und zwischen den Zeilen zu lesen, könne helfen, den Heiligen Geist zu spüren. „Er spricht auch durch andere Menschen zu mir und weist mir den richtigen Weg“, so Ostermayer, der das Phänomen gerne mit einem Navigationsgerät vergleicht. „Beide helfen, sich in dieser Welt zurechtzufinden und die richtige Entscheidung zu treffen.“
Johannes Schuster, evangelischer Pfarrer in Wertingen, erklärt den Heiligen Geist mit der Gegengeschichte vom Turmbau zu Babel: „Weil sich die Menschen über Gott erhoben, wurden sie mit der Sprachverwirrung bestraft, sie verstanden sich nicht mehr.“ Wer den Geist Gottes habe, dem würden sich die Geheimnisse des Lebens erschließen. So wie beim Propheten Elia, der in die Wüste ging und sterben wollte. Doch dort trifft er auf den Heiligen Geist und besinnt sich anders. „Wir Menschen wissen, dass der Geist wirkt, auch wenn er rational nicht erfasst werden kann“, so Schuster weiter. Gerade, weil wir in einer naturwissenschaftlich geprägten Welt leben, tun sich die Menschen schwer damit. „Doch sie spüren eine Sehnsucht danach.“
„Er ist viel öfter am Werk, als wir uns bewusst sind“, sagt Pfarrer Ostermayer. Nicht die große Erleuchtung müssten die Menschen erwarten, „es sind die kleinen Hilfen, wo immer sie herkommen“.
In einer eiligen Zeit sei es schwierig, die Zeichen zu erkennen. „Auf Knopfdruck funktioniert der Heilige Geist nicht“, sagt Ostermayer, der erneut auf die Bibel verweist. Die Jünger verbrachten die Tage nach dem Kreuzestod Jesu, seiner Auferstehung an Ostern und der Himmelfahrt ebenfalls mit Beten und Einkehr. Doch dann erfuhren sie die Nähe Gottes durch ein Ereignis, das sie verwandelte und aus einer ängstlichen Schar plötzlich mutige Männer machte...
Das Unsichtbare sichtbar, das nicht Greifbare greifbar zu machen, dafür wurden in der Vergangenheit verschiedene Symbole verwendet. Flammenzungen, Tauben und helle Strahlen zählen zu den beliebtesten Pfingstsymbolen. Der Heilige Geist wird manchmal auch als Frau oder als Jüngling dargestellt. Nach und nach wurde die Taube zum zentralen Sinnbild. Früher ließ man eine hölzerne Taube über den Köpfen der Gläubigen durch eine Öffnung in der Kirchendecke herunter, das „Heilig-Geist-Loch“. Mit Weihrauch und Gebet empfing die Gemeinde das Heilig-Geist-Symbol.