Mittwoch, 19. Juni 2013

20. Oktober 2010 06:33 Uhr

Kulturausschuss ringt um klares Signal

Augsburg Der öffentliche Appell von Augsburger Wissenschaftlern zur Rettung der Staats- und Stadtbibliothek hatte ein weltweites Echo. Innerhalb einer Woche gingen rund 400 Unterstützerschreiben ein - "von Margertshausen bis Südkorea", sagt Historikerin Barbara Rajkay, eine Sprecherin der Initiative. Nun wurden die Protestnoten feinsäuberlich gebunden an Kulturreferent Peter Grab überreicht. Im Kulturausschuss ging es dann um Schadensbegrenzung für die Stadt. Und es ging um die weitere Taktik bei Verhandlungen der Stadt mit dem Freistaat. Von Eva Maria

Ohne einen Dringlichkeitsantrag der SPD wäre das Thema allerdings gar nicht im Kulturausschuss diskutiert worden. Es stand nicht einmal auf der Tagesordnung. Laut Karl-Heinz Schneider (SPD) sind die städtischen Überlegungen, die Bibliothek aus Geldmangel in städtische und staatliche Bestände aufzuteilen oder zu verlegen, das zentrale Diskussionsthema für viele Menschen. "Wir sind dabei, uns in ganz Deutschland und darüber hinaus lächerlich zu machen", lautet seine Einschätzung. Auch die Grünen forderten ein eindeutiges Signal zum Erhalt der ältesten Augsburger Kultureinrichtung.

Im Sitzungszimmer brauchten die Stadträte dann über eine Stunde, um sich zu einer gemeinsamen Position durchzuringen. CSU und Pro Augsburg wollten sich zunächst viel Spielraum für Verhandlungen mit dem Freistaat offen lassen. Dieser soll mehr Geld für Sanierung und Unterhalt der Stabi beisteuern.

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Besonders Kulturreferent Grab will derzeit vermeiden, sich auf einen Standort für die Stabi festzulegen. Er führte Stellungnahmen von Bibliotheksdirektor Helmut Gier aus den vergangenen Jahren an, wonach das historische Gebäude an der Schaezlerstraße nicht mehr optimal für die Stabi geeignet sei. Es gebe vielfältige Probleme mit Klimatisierung, Brandschutz, Statik und Platz. "Es stellt sich die Frage, ob ein 100 Jahre altes Gebäude überhaupt noch das Richtige ist", so Grab.

Gier widersprach auf AZ-Anfrage. Die geplante Sanierung des Hauses sei geeignet und zukunftsfähig. Sie beinhalte auch einen voll klimatisierten Tresorraum für die wertvollsten Bestände. "Jeder Neubau wäre wesentlich teuer." Gier verwahrte sich auch gegen Vorwürfe von Stadtrat Dimitirios Tsantilas (CSU). Dieser hatte - ohne Namen zu nennen - kritisiert, dass ein Amtsleiter "E-Mails herumschickt, um Stimmung zu machen". Dies sei kontraproduktiv für die Verhandlungen der Stadt.

Am Ende gab es einen einstimmigen Beschluss mit Symbolcharakter: Danach wird die Staats- und Stadtbibliothek vom Kulturausschuss als unverzichtbar für die Identität der Stadt eingestuft. Sie soll uneingeschränkt erhalten bleiben und nicht aufgespalten werden. Grab wurde beauftragt, mit dem Freistaat verhandeln, und zwar über eine neue Kostenaufteilung für Sanierung und Neukonzeption der Bibliothek, außerdem für den laufenden Betrieb. Bei der Unterstützer-Initiative zur Rettung der Stabi war man mit dem Zwischenergebnis zufrieden. "Der Beschluss war ein wichtiges Signal, um die Angst aus der Debatte zu nehmen", sagte Historiker Rolf Kießling. Die Stabi müsse jedoch am historischen Standort erhalten bleiben. "Wir bleiben weiter am Ball", so Kießling.

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