Wertingen Gestern kehrte der Wertinger Frauenarzt Dr. Martin Wiedenmann aus einem eineinhalbwöchigen Urlaub zurück. Das Wartezimmer war voll. Zwischen 7.30 Uhr und 16 Uhr musste er sich um 35 Patientinnen kümmern, der Arbeitsalltag hatte den Gynäkologen schnell wieder. Danach begann sofort seine Rufbereitschaft, die noch bis zum morgigen Mittwoch, 16 Uhr andauern wird. Diese stressigen Zeiten werden für den 49-Jährigen ab Juli dieses Jahres vorbei sein.
Wie Wiedenmann im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte, wird er ab 1. Juli als Honorararzt in der Kreisklinik Donau-Ries in Donauwörth arbeiten, seine Frauenarztpraxis in Wertingen läuft ebenso weiter wie die seines Kollegen Dr. Jan Balej. Dieser wird, wie berichtet, ab dem zweiten Halbjahr ebenfalls als Honorararzt nach Donauwörth wechseln und wie Wiedenmann dann nur noch in der Donau-Ries-Klinik Operationen durchführen.
Welche Auswirkung hat der Weggang der beiden Gynäkologen für die Geburtshilfe in Wertingen? Hermann Buhl, Mitglied im Beirat des Krankenhaus-Fördervereins, ist sich sicher: „Das ist das endgültige Aus.“
Nicht umstimmen ließ sich Wiedenmann am Wochenende, als er von Landrat Leo Schrell telefonisch kontaktiert und dabei gebeten wurde, über seine Kündigung nochmals nachzudenken. „Selbst wenn man mir 100000 Euro für meine zu zahlende Haftpflichtprämie pro Jahr bieten würde, mein Entschluss steht“, mit dieser Aussage unterstreicht der Mediziner seine Hartnäckigkeit. Einerseits gehe es ihm um die Glaubwürdigkeit („ich habe in Donauwörth zugesagt“), andererseits spielen bei seiner künftigen beruflichen Ausrichtung auch unternehmerische und bessere organisatorische Möglichkeiten eine wichtige Rolle.
Seit 30 Jahren ist Wiedenmann mit dem Wertinger Krankenhaus verbunden. Gerade deshalb falle es ihm schwer, die Geburtshilfe zu verlassen. Er verstehe auch die Sorgen in der Bevölkerung, dass sein Weggang unter Umständen das Aus für die Abteilung bedeuten könnte. Die Thematik der Haftpflichtversicherung sei der Anfang seiner Überlegungen gewesen. Als ihm zu Jahresbeginn mitgeteilt wurde, dass der Landkreis Dillingen nur noch für eine gedeckelte Summe von bis zu 15000 Euro aufkommt und er 23000 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen muss, habe er zum ersten Mal an die nun folgenden Konsequenzen gedacht. Wie berichtet, hatte sich der Krankenhaus-Förderverein in der vergangenen Woche bereit erklärt, die Differenzsumme von 23000 Euro zu übernehmen.