Buttenwiesen/Unterthürheim Der Buttenwiesener Zahnarzt Dr. Michael Kleine-Kraneburg ist seit 35 Jahren Mitglied bei „Amnesty International“. „Früher war ich aktives, heute förderndes Mitglied. Ich bin nicht bereit, Menschenrechtsverletzungen in meiner Heimat tatenlos hinzunehmen, die ich in anderen Ländern anprangere!“
Dr. Kleine-Kraneburg wandte sich bereits vor einer Woche mit einem WZ-Leserbrief gegen die Umtriebe rechter Jugendlicher, die im vergangenen Jahr mit Psychoterror eine alleinerziehende farbige Mutter von zwei Kindern aus dem Buttenwiesener Ortsteil Unterthürheim vertrieben hatten. Einer der rechten Jugendlichen hatte nach Aussagen der 33-jährigen Mutter die beiden Töchter als „Rassenschande des Dorfs“ bezeichnet.
Klartext gewöhnt
In einer spontanen Reaktion hatte Dr. Kleine-Kraneburg seine Empörung schon am 30. Januar in der WZ artikuliert: „Es ist sehr traurig, dass in Deutschland wieder ein hirnloser brauner Abschaum eine ihnen unliebsame Familie so in Angst versetzen darf, dass sie sich gezwungen sieht, wegzuziehen.“ Er stamme auch aus dem Ruhrgebiet, so betonte der Zahnarzt, und dort sei man gewohnt, Klartext zu reden.
Schriftlich und in einem gestrigen Gespräch mit der WZ artikulierte er seine Bedenken über das Vorgehen der Polizei bei diesem rassistischen Vorfall. Die WZ hatte unter anderem mit dem Kriminaldirektor Marco Böck (Leiter der Verbrechensbekämpfung im Polizeipräsidium Schwaben Nord) und mit Wertingens Polizeichef Josef Sitterer ein Interview geführt. Beide Polizisten argumentierten, dass die Polizei keineswegs weggesehen habe und dass der Täter durchaus „im Radar“ der Polizei stehe. Die Ermittlungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen.
Dr. Kleine-Kraneburg wertete die Antworten der Polizisten als „verharmlosende Äußerungen“. Er betonte: „Es handelt sich dabei mitnichten um harmlose Jungenstreiche, sondern um massive Straftaten – Nötigung, Sachbeschädigung und Bedrohung. Als nächster logischer Schritt kann dann nur noch eine Tat nach Rostocker Muster kommen. Tatsache ist: Einer Hilfe suchenden, eingeschüchterten Familie wurde die ihr zustehende Hilfe verweigert. Handeln wir erst dann, wenn Menschen getötet oder schwer verletzt sind?“
Dr. Michael Kleine-Kraneburg meinte zudem, er hätte von Bürgermeister Norbert Beutmüller erwartet, dass er die rechten Jugendlichen und ihre Eltern einbestellen und ihnen gehörig den Kopf waschen werde, was offensichtlich nicht geschehen sei. „Da muss man klare Stellung beziehen, dass es Grenzen gibt und dass das Dorf sich so eine Grenzüberschreitung nicht gefallen lässt“, forderte Dr. Kleine-Kraneburg.
Weiter meinte der Zahnarzt, dass er schon angesprochen worden sei mit dem Tenor: „Da hast du dich ganz schön was getraut!“ Er habe auch gehört, dass viele Leute Angst hätten. Er selbst sei aber nicht bedroht worden.
Buttenwiesens Bürgermeister Norbert Beutmüller wurde gestern von der WZ mit Kleine-Kraneburgs Kritik konfrontiert: Wie im Interview (WZ vom 3. Februar) wies er noch einmal darauf hin, dass er bereits am 19. Mai 2011 den Vorfall in Unterthürheim an die Polizei weitergeleitet habe. Auch sei die Polizei sofort aktiv geworden. Die von den Jugendlichen behelligte Mutter habe aber keinen Strafantrag gestellt. Die Polizei habe den Jugendlichen damals eindringlich belehrt. Die Idee des Zahnarzts, dass er als Bürgermeister den Vater einbestellen und ihm den Kopf waschen müsse, hielt Bürgermeister Beutmüller für unrealistisch: „Die Öffentlichkeit allerdings könnte sich schon mal fragen, wie der Vater die Erziehung seines Sohnes sieht!“
Josef Sitterer, der Leiter der Wertinger Polizeistation, verwies gestern darauf, dass nach den Ermittlungen alle Straftaten der Jugendlichen in einer Pressekonferenz vorgestellt würden. Für die Details – auch über den Vandalismus in der Nacht zum 27. Januar – sei es noch zu früh.