Wertingen „Für die moderne Industriegesellschaft ist unser Gehör einfach nicht geschaffen.“ Was Simon Kammermeier, Hörgeräteakustiger aus Wertingen, zum heutigen Tag gegen den Lärm sagt, lässt einen verstummen. Viele Geräusche und Lärmquellen der heutigen Zeit könne das Ohr weder ertragen noch abschirmen. Dabei ist es das zweitwichtigste Sinnesorgan neben dem Sehen. Denn mit der Sprache und dem Gehör verständigt sich der Mensch. Simon Kammermeier hat täglich mit Menschen zu tun, die schwer hören oder sich vor Lärm in der Arbeit schützen wollen. In jedem Falle kann er helfen.
Schwerhörigen empfiehlt er ein Hörgerät, das heute so klein ist, dass es fast unsichtbar in der Ohrmuschel getragen werden kann. Noch besser ist es aber, sich rechtzeitig und ausreichend vor Lärmgeräuschen zu schützen. Kammermeier: „Auch beim Rasenmähen und Sägen sollten die Ohren geschützt werden.“ Dabei würden schon einfache Ohrstöpsel oder Gummipilze genügen und den Lärmpegel um rund 20 Dezibel senken. Der Hörakustiker trägt selbst beim Motorradfahren einen im Helm integrierten Schallschutz. In besonderen Fällen wird ein individueller Gehörschutz als Otoplastik angefertigt. Dabei nimmt der Hörgeräteakustiker eine Abformung des äußeren Gehörganges und eines Teils der Ohrmuschel, um daraus ein Maßohrstück anzufertigen.
Die Berufsgenossenschaften haben sich des Themas schon länger angenommen und achten besonders in lärmgeprägten Unternehmen für den Schutz der Mitarbeiter. Dr. Ulrich Hoppe, Hals-, Nasen- und Ohrenarzt, hat beobachtet, dass durch die Achtsamkeit der Berufsgenossenschaft die Schwerhörigkeit auf dem Rückmarsch ist. Medizinisch betrachtet unterscheidet man zwischen einer Mittelohrschwerhörigkeit und der Innenohrschwerhörigkeit. Liegt eine Mittelohrschwerhörigkeit vor, ist die Weiterleitung des Schalls gestört. Bei der Innenohrschwerhörigkeit hingegen ist die Empfindung des Schalls beeinträchtigt. Eine normale Entwicklung ist ein Nachlassen des Hörvermögens mit steigendem Alter. Aber auch genetische Ursachen können eine Rolle spielen. Bei der Krankheit „Tinitus“ sind Hörzellen geschädigt, „trotzdem geben die Zellen weiter Töne von sich, die nicht messbar und auch nicht von anderen Menschen hörbar sind“, so Dr. Hoppe, der zur Zeit Dr. Schertel in Wertingen vertritt.
Über diese Ohrgeräusche wisse die Medizin noch zu wenig. Eines sei Fakt: „Jede Lärmschädigung bringt Hörgeräusche mit sich.“ Deshalb sei Vorsorge das A und O zum Schutz des Gehörs. Hörschutz zu tragen müsse in Fleisch und Blut übergehen wie das Anlegen des Gurts im Auto, empfiehlt der Arzt. Denn Lärm könne nicht nur das Hörorgan schädigen, sondern auch die Psyche beeinträchtigen. Das Tropfen eines Wasserhahns oder dumpfer Verkehrslärm genügten, um Irritationen hervorzurufen. Bei solchen Störungen brauche die Intensität nicht groß zu sein, vor allem, wenn sie in einer Entspannungsphase oder im Schlaf auftrete.
Hörakustikmeister wie Simon Kammermeier arbeiten eng mit HNO-Ärzten zusammen. Zwischen Guthören und Nichtshören liegt eine große Bandbreite der unterschiedlichsten Arten von Hörminderungen. Nur mit einem speziellen Messinstrument, dem Audiometer, kann die Funktionsfähigkeit des Gehörs getestet werden. Am heutigen Tag gegen den Lärm bietet Kammermeier in seinen beiden Filialen „Westra“ in Wertingen und Meitingen kostenlose Hörtests an. Das Alter spielt keine Rolle, denn „Hörgeschädigte werden immer jünger“.