Wertingen Alles wartet auf die Windkraft! Schon wiederholt hatte der Wertinger Stadtrat das Thema auf seiner Tagesordnung. Doch Windräder mit einer Nabenhöhe von 140 Metern kann man nicht per Akklamation beschließen. Da muss Vieles reichlich überlegt sein. Die WZ sprach mit Bürgermeister Willy Lehmeier.
Windkraft: Ist das nun ein großes Geschäft oder nur eine große Spekulation? Das ist die Frage.
Willy Lehmeier: In der ganzen Diskussion um großes Geschäft oder Spekulation hat man erkennen müssen, dass unsere Gegend nur mit mäßigem Wind gesegnet ist. Kein Vergleich zum Norden Deutschlands. Deshalb müssen die Windkraftanlagen auch immer höher werden, um überhaupt noch wirtschaftlich betrieben zu werden.
Das Geschäft werden sicherlich die Gutachter, die Planer und die Hersteller von Windkraftanlagen machen. Der Bürger, der sich an diesen Anlagen in unserer Region beteiligt, trägt das Restrisiko alleine. Das Risiko liegt darin, genug Windstärke über einen Zeitraum von 20 Jahren dauerhaft vor Ort zu haben, damit am Ende tatsächlich die angenommene Rendite zu erzielen ist.
Wenn es aber ein großes Geschäft würde, dann könnten doch die Kommunen selbst sich einschalten. So wie bei der Wasserversorgung könnten Zweckverbände gegründet werden. Die Konzentrationsflächen, seien es nun gemeinsame mit den Nachbarn oder Flächen, die nur auf Wertinger Grund liegen, könnten kommunal bewirtschaftet werden.
Willy Lehmeier: Ja, das wäre sicherlich richtig. Hierzu müssen aber Kommunen den festen Willen haben, zusammenarbeiten zu wollen. Wie schwer das ist, habe ich in den letzten Monaten bei dem Versuch erleben müssen, eine gemeinsame Fläche nur untersuchen zu lassen. Da ging es rein um den Ansatz, eine für alle Beteiligten interessante Fläche zu erkunden.
Die Wertinger Region ist eine eher mäßige Wind-Gegend. Windräder wirken deswegen hier fast wie eine Spekulation auf künftig zu erwartende Gewinne oder auch Staatszuschüsse.
Willy Lehmeier: Das sehe ich genauso.
Windenergie! Die interessierten Investoren drängen fast die Schlosstüre ein. Aber wie will man (die von der Stadt nicht zu verantwortenden Schnellschüsse wie bei den Biogas-Anlagen) verhindern. Wie wird der Weg zur Windenergie weitergehen?
Willy Lehmeier: Wir haben im Stadtrat beschlossen, den Flächennutzungsplan bezüglich der Ausweisung von Konzentrationszonen für Windkraftanlagen zu ändern.
Das Büro Markert wurde mit der Ausarbeitung der Änderung beauftragt. Danach beginnt das Genehmigungsverfahren mit der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Klärung naturschutzfachlicher Belange. Danach entscheidet der Stadtrat über die Konzentrationszonen für Windkraft. Ich gehe davon aus, dass das Verfahren mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen wird.
Bioenergie: Es gibt Prozesse dagegen wie jüngst am Verwaltungsgericht Augsburg. Die Abschaffung der Atomenergie bietet Chancen für die Windenergie. Aber sind da die rechtlichen Voraussetzungen schon geschaffen? Hat der Bürger genügend Schutz oder stehen auch hier Prozesse an?
Willy Lehmeier: Ich habe das Gefühl, dass heute der Natur ein höherer Schutz eingeräumt wird, als dem Bürger. Da werden Empfehlungen für Mindestabstände zur Wohnbebauung ausgesprochen. Doch auf die Bitten der Bürger, die Abstände zu Windkraftanlagen zu erhöhen, wird nicht reagiert.
Wann wird das erste Windrad bei uns stehen? Wie ist der Weg dorthin?
Willy Lehmeier: Wenn die Bauleitplanung abgeschlossen ist, kann sicherlich der Investor das erste Windkraftrad in den ausgewiesenen Konzentrationszonen errichten. Das wird sicherlich nicht vor 2013 der Fall sein.
„Zusammenarbeit mit Nachbarn als bester Weg und beste Lösung“
Wirbt man noch bei den Nachbarn Meitingen, Biberbach und Laugna um ein gemeinsames Vorgehen?
Willy Lehmeier: Der Stadtrat sieht nach wie vor die interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbarn als besten Weg und die beste Lösung. Das hat er auch in seiner jüngsten Stadtratssitzung nochmals betont. Deshalb bleiben wir mit den Nachbarn nach wie vor im Kontakt.
Genehmigungsbehörden für die Windenergie sind die Landratsämter. Könnte die Stadt juristisch gezwungen werden zu Ansiedlungen, die sie nicht will?
Willy Lehmeier: Ja, das könnte passieren. Erst wenn die Bauleitplanung für das ganze Gebiet der Stadt Wertingen und seiner Ortsteile abgeschlossen und genehmigt ist, kann nur noch dort eine Windkraftanlage gebaut werden, wo es der Flächennutzungsplan auch vorsieht.