Sicher ist, dass der Investmentbanker Jain seine Mannschaft in Stellung bringt, noch bevor Ackermann die Bühne verlässt. Der Risikovorstand und der Personalvorstand müssen gehen. Die Nachfolger kommen eher aus dem Investment-Bereich, nicht aus dem traditionellen Bankgeschäft. Ein langjähriges Duell ist entschieden, sagen Beobachter. Gewonnen haben die Investmentbanker, gewonnen hat Jain.
Sich durchzusetzen, das hat Jain gelernt. Im Jahr 1963 kommt er als Kind einer Mittelschichtfamilie im indischen Bundesstaat Rajasthan zur Welt. Sein Vater ist Beamter. Er zieht mit Frau und Kind nach Delhi als Anshu sechs ist. Die Familie wohnt in einem Stadtteil mit mittelalterlichen Marktstraßen und einfachen Garküchen. Sie gehört der kleinen Religionsgemeinschaft des Jainismus an – daher der Familienname. Es zählen Askese und Bildung, die Jains leisten es sich, ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken. Als junger Mann geht Anshu Jain in die USA, studiert, macht erst bei Merrill Lynch, dann bei der Deutschen Bank Karriere. Er ist vor der Finanzkrise unglaublich erfolgreich und verdient zeitweise mehr als Josef Ackermann – auch wenn die Zahlen jüngst zurückgingen und der Spiegel Jain vorhielt, dafür verantwortlich zu sein, dass die Deutsche Bank auf dem US-Immobilienmarkt „wilder gezockt“ hat als andere Banken.
Bald aber bewegt sich Jain sowieso nicht mehr in der Welt der Derivate und Hedgefonds, sondern steuert das Herz der Deutschland AG. Dann muss er in eine Rolle hineinwachsen, in der man nicht nur Geld verdient, sondern immer auch ein Berater der Kanzlerin ist.