Für Autofahrer sind es harte Zeiten: Mit 1,64 Euro für einen Liter Superbenzin E10 war der Sprit im bundesweiten Durchschnitt am Montag so teuer wie nie zuvor. Für das normale Superbenzin mit einem fünfprozentigen Anteil Ethanol (E5), das unverändert die meisten Autofahrer tanken, waren zeitweise 1,67 Euro fällig. Diesel kostete nur wenig unter 1,54 Euro je Liter und lag damit nur einen Cent unter seinem historischen Hoch vom Sommer 2008, teilten Sprecher der Mineralölindustrie mit. Und auch am Dienstag entspannte sich die Preislage an den Zapfsäulen kaum: Im Durchschnitt kostete E10 laut ADAC 1,62 Euro, Diesel 1,51 Euro.
Die hohen Preise haben zwei Ursachen: teures Rohöl und ein nachgebender Euro. Die Autofahrer in Deutschland leiden derzeit vor allem unter dem gegenüber der US-Währung schwächelnden Euro. An den internationalen Märkten wird Öl in Dollar gehandelt. Für einen Euro bekommt der Ölhändler gegenwärtig jedoch kaum mehr als 1,32 Dollar; im vergangenen Frühjahr waren es noch 1,48 Dollar. Wenn Öl und Dollar dann gleichzeitig teurer werden, schmerzt den Autofahrer der nächste Tankstopp doppelt. Den wichtigsten Einfluss auf die Benzin- und Heizölpreise hat jedoch der Rohölpreis selbst. Am Montag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent mehr als 122 Dollar, so viel wie seit dem vergangenen April nicht mehr.
Dass der Preis derzeit so hoch ist, liegt zum einen an der internationalen Geldmarktpolitik. Die Notenbanken in den USA, Europa und Japan fluten die Finanzmärkte schon lange mit billigem Geld, um die Konjunktur zu stützen. Das reichlich vorhandene Kapital stecken viele Investoren und Spekulanten in Aktien, aber auch in Rohstoffe. So ist der Rohstoffindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts HWWI nach einigen rückläufigen Monaten seit Beginn des Jahres wieder gestiegen. Rohöl allein hat sich binnen eines Monats um 14 Dollar je Barrel verteuert.
Hinzu kommt eine Unruhe in wichtigen Öl-Exportländern wie Libyen, Syrien, Nigeria oder dem Sudan. Diese Staaten liefern aufgrund politischer Wirren derzeit weniger. Der Iran könnte bald ganz als Lieferant ausfallen. Fünf Prozent des Öls, das europäische Staaten beziehen, stammt jedoch aus diesem Land. Gleichzeitig steigt der Bedarf in Asien, vor allem in China und Indien, deutlich an.
Gerade bei Mineralölkonzernen wie Shell oder BP sprudelten zuletzt die Milliardengewinne, was bei den Automobilverbänden zu Unmut führt. Dafür hat der Mineralölwirtschaftsverband wenig Verständnis. Dass diese Konzerne auch Tausende Arbeitsplätze sichern, werde gerne verschwiegen, heißt es dort.
Beim ADAC hingegen macht trotzdem einmal mehr das Wort „Abzocke“ die Runde. Diesel sei seit Monaten zu teuer, sagt Sprecherin Maxi Hartung. Dass der übliche 20-Cent-Vorteil zum Benzin im Winter etwas schrumpft, sei wegen der saisonbedingten Nachfrage nach Heizöl normal – nicht aber in dem Umfang. „Ein paar Cent Nachlass wären eigentlich kein Problem.“
Auf sinkende Preise können die Autofahrer aber kaum hoffen. „Es zeichnet sich bei Öl ein konstant hohes Niveau ab“, sagt Rainer Wiek vom renommierten Hamburger Energie-Informationsdienst EID. Auch der ADAC befürchtet, dass die Preise auf hohem Niveau bleiben – zumal die Osterferien anstehen. (mit dpa)