Mehdorn, 1942 in Warschau geboren, ist einer der bekanntesten Manager Deutschlands - und gilt auch als einer der härtesten. Seine neun Jahre an der Spitze der Deutschen Bahn, sagt er, seien eine tolle Zeit gewesen: „Manchmal ein wenig verrückt, immer aufregend – und manchmal ein bisschen irre“. Dass er einen defizitären Staatsbetrieb in einen profitablen Mobilitäts- und Logistikkonzern verwandeln würde, hatte im Dezember 1999 vermutlich nur er selbst geglaubt.
Seine resolute Art verschaffte Mehdorn an der Spitze des Konzerns schnell den Ruf eines vor Kraft strotzenden Machers. Mit an Ignoranz grenzender Sturheit verfolgte er seine Ziele. Nichts und niemand sollte den Freund des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder vom Kurs abbringen. Und je länger er in seinem Büro hoch oben über den Dächern Berlins die Weichen stellte, desto kleiner wurde die Zahl jener, die überhaupt versuchten, dem Boss die Stirn zu bieten.
Der Abschied 2009, der kein freiwilliger war, fiel ihm dafür schwer – und der sonst so ruppige und rauflustige Mehdorn zeigte das auch. Ja, bestätigt er damals, er habe den Aufsichtsrat um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Als Schuldeingeständnis im Datenskandal bei der Bahn aber wollte Mehdorn das ausdrücklich nicht verstanden wissen. Ganz im Gegenteil: „Es handelt sich hier nicht um einen Datenskandal, sondern um eine Kampagne zur Veränderung der Unternehmensführung und der Unternehmenspolitik.“
Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur fühlte sich als Opfer einer politisch-medialen Intrige und nicht als Verantwortlicher für eine Reihe schwerer Verstöße gegen den Datenschutz bei der Bahn.
Unbestrittene Erfolge bei der Deutschen Bahn
Unbestritten waren und sind Mehdorns Erfolge als Konzernvorsitzender der Bahn. 1999, als der frühere Airbus-Manager zur Bahn kam, erwirtschaftete der Staatskonzern magere 15,6 Milliarden Euro Umsatz. Im Jahr seines Abgangs, rechnet der scheidende Chef vor, waren es gut 33 Milliarden. Entsprechend zufrieden war der Konzernchef mit sich und seinen Leuten: „Wir haben immer Höchstleistung für die Bahn gegeben.“
Dass Hartmut Mehdorf jetzt als Nachfolger von Joachim Hunold Chef bei Air Berlin wird, kommt ebenfalls nicht ganz von ungefähr. Schon Anfang Juli 2009 war der verheiratete Vater von drei Kindern in den Verwaltungsrat der Fluggesellschaft berufen worden. AZ/bo