Wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Dienstagsausgabe berichtet, sind Immer mehr Selbständige auf Hartz IV angewiesen. Die Zahl der Selbstständigen, die ihre Einkünfte mit Hartz IV aufstocken, ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in den vergangenen vier Jahren um mehr als 50.000 auf im Jahresdurchschnitt etwa 125.000 Hilfebedürftige gestiegen, wie das Blatt unter Hinweis auf Statistiken der Behörde schreibt.
Im Februar 2011 seien knapp 118.000 selbständige Aufstocker gezählt worden. Etwa 85.000 dieser sogenannten Aufstocker verfügten nur über ein Einkommen von weniger als 400 Euro. 25.000 verdienten bis zu 800 Euro, der Rest etwas mehr.
Arbeitsvermittler in den Jobcentern beobachten dieses Phänomen mit Sorge, da sie einen Missbrauch des Sozialstaates befürchteten. Selbständige könnten ihr Einkommen so herunterrechnen, dass sie auf dem Papier Anspruch auf die Hilfe zum Lebensunterhalt hätten, obwohl sie auf das Geld nicht angewiesen seien. Immer wieder tauchten in den Jobcentern dem Bericht zufolge sogar Firmeninhaber mit mehreren Mitarbeitern auf und beantragen Hartz IV.
Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur, sprach sich daher dafür aus, darüber nachzudenken, ob sich die Bezugsdauer von staatlichen Grundsicherungsleistungen für Selbständige zeitlich begrenzen lasse. "Irgendwann muss man schwarze Zahlen schreiben oder - so weh es tut - die Selbständigkeit aufgeben. Der Steuerzahler kann nicht auf Dauer eine nicht tragfähige Geschäftsidee mit finanzieren", sagte er. AZ, dapd