Samstag, 21. Oktober 2017

06. August 2017 14:07 Uhr

Faktencheck

Ist ein Elektroauto wirklich besser für die Umwelt?

Der Diesel gilt als Verschmutzer, das E-Auto als komplett sauber. Aber stimmt das? Ein Vergleich bringt Erstaunliches zutage.

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Ist ein Elektro-Mobil ökologischer als ein Verbrenner?
Foto: Patrick Pleul (dpa)

Der Diesel hat durch die Debatte um manipulierte Software Schaden genommen. Elektroautos sollen helfen, die Luft in den Innenstädten sauberer zu machen und das Klima zu schützen. Ist das Elektroauto aber wirklich umweltfreundlicher?

Elektroautos haben keinen Verbrennungsmotor und keinen Auspuff, sie fahren "lokal emissionsfrei". Das ist der große Vorteil in den Städten. Dort belasten gerade Dieselautos die Luft mit Stickoxiden. Auch moderne Benziner brauchen Filter, weil sie Feinstaub erzeugen. Das Problem gibt es bei Elektroautos nicht.

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Die Herstellung eines E-Autos ist energieintensiv

Doch der Strom für das E-Auto muss auch erzeugt werden. Und dieser kommt in Deutschland trotz des steigenden Anteils von Windkraft und Sonnenstrom zu einem großen Teil aus Kohlekraftwerken – im Jahr 2016 stammten 17,2 Prozent aus Steinkohle und 23,1 Prozent aus Braunkohle, berichtet die Agentur für Erneuerbare Energien. Bei der Verbrennung entsteht das Treibhausgas CO2. Die Angabe auf Prospekten, dass zum Beispiel der VW E-Golf null Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstößt, ist aus dieser Sicht falsch. Die CO2-Emission aus der Stromerzeugung muss berücksichtigt werden.

Der ADAC kam in seinem Eco-Test für den E-Golf von VW auf 102 Gramm CO2 pro Kilometer. Für einen Golf-Diesel errechnete der Klub 120 Gramm CO2 pro Kilometer. In Heidelberg beschäftigt sich das Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) mit der Energiebilanz von Elektrofahrzeugen während ihrer gesamten Lebenszeit. Dort betont man, dass sich die Bilanz der Elektroautos stark verbessert, je mehr Ökostrom eingesetzt wird.

Für eine ehrliche Bewertung muss aber nicht nur die Energie berücksichtigt werden, die während der Fahrt gebraucht wird. Auch für die Produktion der Fahrzeuge und die Rohstoffe ist Energie nötig. Autos bestehen aus Blech, Aluminium, weiteren Metallen, Kunststoffen. Dies alles zu erzeugen, frisst Energie. Ein E-Auto hat zwar statt eines großen Verbrennungsmotors nur einen schlanken Elektromotor, es braucht auch keine Abgasanlage. Dafür schlagen die Batterien massiv zu Buche. Rohstoffe wie Lithium müssen aufwendig gewonnen werden.

Allein bei der Produktion der Batterien des E-Autos Nissan Leaf würden 5,3 Tonnen CO2 frei, berichteten Forscher im schwedischen Fachmagazin Ingeniøren. Beim Tesla Model S seien es gar 17,5 Tonnen. Ein Fahrzeug mit fossilem Brennstoffantrieb könne acht Jahre lang fahren, bis es die gleiche Umweltbelastung eines Teslas erreicht habe. Bei Ifeu in Heidelberg hat man ermittelt, dass allein die Herstellung eines Elektroautos 30 Prozent zur Klimabelastung beiträgt, die das Auto während seines Lebens verursacht. Bei der Herstellung eines E-Autos würden rund 9,5 Tonnen CO2 ausgestoßen. Bei einem Auto mit Verbrennungsmotor nur knapp sechs Tonnen.

Richtig gut schneiden E-Autos erst ab, wenn sie nur mit Ökostrom fahren

Elektroautos haben also Vorteile im Betrieb, ihre Herstellung aber ist energieintensiver. Wie sieht das Gesamtbild aus? Gegenüber mittelgroßen Diesel-Fahrzeugen hat das E-Auto bisher kaum einen Vorteil, wenn man die gesamte Energiebilanz betrachtet. Über den gesamten Lebensweg ergibt sich gegenüber Diesel-Fahrzeugen eine Treibhausgasminderung von lediglich rund 5 Prozent, berichten die Ifeu-Forscher. Besser sieht es gegenüber Benzinern aus. Hier sind es 20 Prozent. Richtig gut schneiden E-Autos erst ab, wenn sie zu 100 Prozent mit Ökostrom gefahren werden. Verglichen mit einem Fahrzeug mit Otto-Motor liegt der Vorteil eines E-Autos mit 100 Kilometern Reichweite dann bei 74 Prozent, schrieb Ifeu vergangenes Jahr.

Fakt ist: Elektroautos haben den Vorteil, dass sie auf der Straße keine Abgase ausstoßen. Ihre Energiebilanz über die gesamte Lebensdauer ist aber gegenüber einem Dieselauto bisher nur geringfügig besser. Erst wenn der Ökostrom-Anteil steigt, werden sie zu Klimaschützern.

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Heidelberg | Deutschland | VW | ADAC | Nissan

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Ein Artikel von
Michael Kerler

Augsburger Allgemeine
Ressort: Wirtschaft



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