Ein Gericht stoppt den für Mittwoch angekündigten Lotsenstreik am Frankfurter Flughafen. Die erwarteten Chaostage sind damit abgewendet - zumindest teilweise und nur vorerst. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hatte nahezu den gesamten Flugverkehr auf dem größten deutschen Drehkreuz für sechs Stunden lahmlegen wollen.
Die mächtigen Towerlotsen dürfen nicht streiken
Was die Streikenden am Frankfurter Flughafen fordern
Vorfeldkontrolleure: Sie verdienen bislang zwischen 53.000 und knapp 70.000 Euro im Jahr. Die GdF fordert nach Angaben von Fraport eine Steigerung der Grundgehälter auf knapp 80.000 bis 87.000 Euro pro Jahr. Außerdem verlangt die Gewerkschaft zehn Prozent höhere Zulagen und eine um 13 Prozent abgesenkte Arbeitszeit.
Vorfeldaufsicht: Für diese Mitarbeitergruppe soll es nach dem Willen der Gewerkschaft Spitzengehälter von 60.700 Euro im Jahr geben - bislang sind es 42 000 Euro. Die Nettowochenarbeitszeit soll um neun Prozent reduziert werden, die Zulagen sollen um zehn Prozent steigen.
Verkehrszentrale: Als Spitzengehalt sind ebenfalls 60.700 Euro anvisiert - bislang verdienen die Mitarbeiter bis zu knapp 52.000 Euro. Weitere Forderung: Zehn Prozent höhere Zulagen, zehn Prozent weniger Arbeitszeit.
Der Streik auf dem Vorfeld sollte nach der juristischen Schlappe weitergeführt werden, sagte GdF-Sprecher Matthias Maas. Die GdF kündigte an, in die Berufung zu gehen. Ein Termin stand aber noch nicht fest. Der Streik im Tower finde damit am Mittwochmorgen definitiv nicht statt. Falls man in der zweiten Instanz Recht bekomme, könne man den Unterstützungsstreik gleich an einem der nächsten Tage starten, sagte Maas.
Richter Matthias Kreutzberg-Kowalczyk rügte die Unverhältnismäßigkeit des angedrohten Streiks, der zu einem Stillstand des Flughafens geführt hätte. Er erließ auf Antrag des Flughafenbetreibers Fraport, der Lufthansa und der Deutschen Flugsicherung (DFS) eine Einstweilige Verfügung gegen die Gewerkschaft und drohte ein Zwangsgeld von 250.000 Euro an.
Flughafen Frankfurt: Am Mittwoch drohen trotzdem Flugausfälle
Obwohl der Streik abgeblasen wurde, drohte am Mittwoch auf dem größten deutschen Flughafen eine Vielzahl von Flugausfällen. "Zahlreiche Interkontinentalverbindungen sind längst abgesagt worden", erklärte der DFS-Arbeitsdirektor Jens Bergmann. Die Flugsicherung hatte am Tag internationale Warnungen herausgegeben, dass Frankfurt am Mittwochmorgen bestreikt werden könne. Er sei aber froh, dass das Gericht in der Sache entschieden habe, sagte Bergmann.
Die GdF hatte die Lotsen für Mittwoch zu einem sechsstündigen Unterstützungsstreik für die seit knapp zwei Wochen streikenden Vorfeldmannschaften am Frankfurter Flughafen aufgerufen. Die Lotsen sind Beschäftigte der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung GmbH in Langen bei Frankfurt, während die Vorfeldmannschaften beim Flughafenbetreiber Fraport beschäftigt sind. Sie waren bislang trotz mehr als 1500 Flugausfällen mit ihren Forderungen nach mehr Gehalt und besseren Arbeitsbedingungen nicht durchgedrungen.
Tarifgespräche zwischen Fraport und der GdF
Nach zunächst zwei Streikwellen waren die Tarifgespräche zwischen Fraport und der GdF über die Vorfeldbeschäftigten am vergangenen Freitag gescheitert. Der Vorfeldstreik ist zunächst bis Donnerstagfrüh befristet.
Lufthansa beklagte hohe Schäden in Folge der Streiks. Personalvorstand Stefan Lauer sprach am Dienstag von einer neuen Dimension, die das Unternehmen nicht hinnehmen werde. "Wir sind in dieser Auseinandersetzung mit großer Klarheit der Hauptgeschädigte", sagte Lauer. Passagiere machten im Moment einen regelrechten Bogen um Europas größte Airline.
200 Flüge fielen am Dienstag am Frankfurter Flughafen wegen Streik aus
Erneut waren am Dienstag in Frankfurt rund 200 Flüge ausgefallen, etwa 80 Prozent des geplanten Verkehrs fand statt. AZ/dpa