Nach dem Hygieneskandal und der erzwungenen Schließung seiner Backfabrik in Neufahrn steht Müller-Brot nach Gewerkschaftsangaben vor einem Personalabbau. "Die Geschäftsführung befürchtet, dass es zu einem Stellenabbau kommen wird", sagte der Vertreter der Gewerkschaft Nahrung-Genuss- Gaststätten (NGG), Mustafa Öz, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Bei einem Treffen von Geschäftsführung, Betriebsrat und Gewerkschaft sei von Millionenverlusten seit dem Produktionsstopp die Rede gewesen. Der Betrieb ruht seit fast zwei Wochen.
Mit der Reform des Verbraucherinformationsgesetzes sollen künftig Verbraucher bei ähnlich unappetitischen Skandalen von den Behörden leichter Informationen erhalten. Der Bundesrat ließ die vom Bundestag beschlossene Reform am Freitag passieren. Die Neuregelung, die voraussichtlich zum 1. September in Kraft tritt, soll Hemmschwellen abbauen, zum Beispiel indem Anfragen bei Ämtern bis zu einem Verwaltungsaufwand von 250 Euro künftig kostenlos sind. Für Anfragen sollen fortan eine E-Mail oder ein Anruf reichen.
Als Konsequenz aus Lebensmittelskandalen sollen zudem Behörden von sich aus die Öffentlichkeit informieren, wenn Überwachungen bei bestimmten Produkten überschrittene Grenzwerte ergeben. Der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, erklärte, dass das neue Gesetz auch bei Fällen wie Müller-Brot greife: "Damit gibt es in Zukunft eine klare Regelung, die Öffentlichkeit in vergleichbaren Fällen zu informieren." Nach den bisherigen Vorgaben erfolgte eine Warnung nur, wenn ein Verdacht auf Gesundheitsgefährdung besteht. "Dies war im vorliegenden Fall zu keinem Zeitpunkt gegeben", sagte Zapf.
Zapf betonte, dass kein Versagen der Lebensmittelkontrolleure vorliege. "Im vorliegenden Fall handelt es sich um das Versagen eines einzelnen Lebensmittelunternehmers", sagte der LGL-Chef. "Die unhygienischen Zustände bei der Firma Müller-Brot wurden von der amtlichen Lebensmittelüberwachung aufgedeckt und konsequent bis hin zur Einstellung der Produktion verfolgt."
An dem Gespräch von Arbeitnehmer-Vertretern und Müller-Brot- Unternehmensleitung nahm auch Mehrheitsgesellschafter Klaus Ostendorf teil. Nach den Angaben von Gewerkschafter Öz steht Ostendorf zu dem Unternehmen und will in die Sanierung des Unternehmens investieren. Ausstehende Löhne und Gehälter sollen gezahlt werden. Als Konsequenz aus dem Hygieneskandal habe Ostendorf den für die Produktion verantwortlichen Geschäftsführer von dieser Aufgabe entbunden.
Nach einer Abnahme durch die Lebensmittelbehörden sei beabsichtigt, in einer Woche wieder Semmeln und Brot zu backen, sagte Öz, "allerdings vorerst nur in Teilbereichen". Alle hofften, dass die Produktion am nächsten Freitag wieder anläuft - "wenn nicht, wäre das eine Katastrophe". Zu einer Betriebsversammlung werden zuvor an diesem Samstagabend rund 500 Müller-Brot-Beschäftigte erwartet.
Mitgesellschafter Michael Phillips beklagte, dass er nicht über die Missstände in der Fabrik informiert worden sei. "Dies war sicher eine eklatante Fehlentscheidung." Die Maßnahmen zur Krisenbewältigung lägen "ausschließlich in der Verantwortung der Geschäftsleitung". Phillips ist seit 2003 passiver Teilhaber bei Müller-Brot, er hält 40 Prozent der Anteile.
Das LGL betonte erneut, dass Mäusekot und Ungeziefer bei Müller-Brot nur in Backzutaten, nicht aber auf oder in fertiger Ware nachgewiesen worden sei. Mehrmals mussten jedoch Lebensmittel entsorgt werden, weil "im Umfeld der Produktion unhygienische Umstände vorgefunden wurden", meinte eine LGL-Sprecherin. Dies habe auch bereits ausgelieferte Ware betroffen.
Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte unterdessen erneut, dass die Behörden die Bürger in solchen Fällen nur unzureichend informiert hätten: "Ahnungslose Verbraucher haben seit März 2010 mehr als 640 Millionen Brötchen und 45 Millionen Brotlaibe von Müller Brot gegessen, während bayerische Beamte wegen Mäusekots und Kakerlaken in der Großbäckerei ein- und ausgingen."
# dpa