Deutschland braucht Gründer wie Gustav Schickedanz. Der hatte die zündende Idee, Verbraucher direkt zu beliefern. Viel zu spät und falsch haben seine Nachfolger bei "Quelle" auf die neuen Herausforderungen durch das Internet reagiert. Von Klaus Köhler
Deutschland braucht Gründer wie Gustav Schickedanz. Der hatte vor mehr als 80 Jahren die zündende Idee, Verbraucher direkt zu beliefern. Was für die "Quelle" zu einer Erfolgsstory wurde, war für die aus dem Geschäft gedrängten Zwischenhändler alles andere als erfreulich.
Doch so ist die Marktwirtschaft. Wer nicht auf der Strecke bleiben will, muss sich etwas einfallen lassen und sich dem veränderten Verbraucherverhalten anpassen. Genau das aber haben die Quelle-Verantwortlichen nach vielen erfolgreichen Jahren immer weniger geschafft.
Viel zu spät und falsch hat man in Fürth auf die neuen Herausforderungen durch das Internet reagiert. Die Chancen des rasant wachsenden Online-Handels hat der führende deutsche Versender verschlafen und zu lange am Konzept eines Universal-Anbieters festgehalten. Die Spezialanbieter im Konzern sind näher an den Kunden und werden wohl auch Käufer finden.
Die Leidtragenden der verfehlten Unternehmenspolitik bei Quelle wie auch beim Schwesterunternehmen Karstadt sind wieder einmal die Mitarbeiter. Diejenigen, die ihnen die Misere eingebrockt haben, müssen sich dank großzügiger Gehälter und Versorgungsleistungen um ihre Zukunft wohl keine Sorgen machen. Auch Schickedanz-Tochter Madeleine, die durch den Niedergang von Karstadt und Quelle von der Milliardärin zur Millionärin abgestiegen ist, wird sicher nicht am Hungertuch nagen.
Der Staat kann die im Arcandor-Konzern gemachten Fehler nicht korrigieren, aber die Betroffenen auch nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Wer die soziale Komponente der Marktwirtschaft, die Deutschlands wirtschaftlichen Wiederaufstieg mit ermöglicht hat, ernst nimmt, muss dafür sorgen, dass die Folgen von Pleiten erträglich bleiben. Dafür gibt es Instrumente wie Sozialpläne und Transfergesellschaften, die auch in diesem Fall genutzt werden.
Die Hilfe des Staates findet aber dort ihre Grenzen, wo es darum geht, ein Unternehmen gegen die Gesetze der Marktwirtschaft mit Steuergeldern am Leben zu erhalten. Es müsste inzwischen jedem Politiker klar sein, dass er damit auch die Firmen gefährdet, die sich marktgerecht verhalten haben.
Selbst die jetzt von der Staatsregierung so eilig versprochene Extra-Förderung des Raums Nürnberg/Fürth hat ihre Tücken. Es gibt durchaus andere Ecken in Bayern, die schlechter mit Arbeitsplätzen versorgt sind. Die Zahl der im Einzelfall betroffenen potenziellen Wähler darf nicht Motor des politischen Handelns sein, die Förderung eines Klimas, in dem Gründer wie einst Gustav Schickedanz ihre Ideen erfolgreich umsetzen können, hingegen schon. Von Klaus Köhler
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