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Ernährung: Teurer Trend: Laktose- und glutenfreie Produkte oft unnötig

Ernährung

Teurer Trend: Laktose- und glutenfreie Produkte oft unnötig

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    Gluten- und laktosefreie Produkte liegen im Trend, auch wenn gesunde Menschen sie gar nicht brauchen.
    Gluten- und laktosefreie Produkte liegen im Trend, auch wenn gesunde Menschen sie gar nicht brauchen. Foto: dpa, Peter Endig

    Die Palette im Supermarkt wird immer größer: Milch, Mozzarella und Joghurt, alles laktosefrei. Toastbrot, ganz ohne Gluten. Schinken, der weder das eine noch das andere enthält.

    Für Konsumenten, die unter bestimmten Lebensmittel-Unverträglichkeiten leiden, sind diese Ersatzprodukte ein Segen. Schließlich erleichtern sie nicht nur die Auswahl beim Einkauf, sie steigern auch das Wohlbefinden.

    Gluten- und laktosefrei: Kein besonderer Nutzen für gesunde Menschen

    Doch mittlerweile wollen sich auch immer mehr gesunde Menschen etwas Gutes tun – und greifen zu laktose- oder glutenfreien Produkten. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht, allenfalls Schätzungen.

    So geht man beim Milchindustrieverband davon aus, dass 80 Prozent der Verbraucher, die laktosefreie Milch kaufen, gar keine Unverträglichkeit haben. Dabei haben gesunde Menschen, die zu laktose- oder glutenfreien Lebensmitteln greifen, gar keinen Nutzen davon.

    Warum nur greifen sie dann zur Alternative ohne Milchzucker? Sabine Hülsmann versucht es mit einer Erklärung. „Das liegt vor allem an der guten Marketingstrategie der Firmen“, sagt die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern.

    Gute Marketingstrategie: Was gesund klingt, wird gekauft

    Denn viele Hersteller verbinden die Ersatzprodukte mit anderen Werbeauslobungen. Dass neben dem Vermerk „ohne Geschmacksverstärker“ oder „mit natürlichen Zutaten“ nun auch der Hinweis „glutenfrei“ und „laktosefrei“ steht, erweckt schnell den Eindruck, dass diese Produkte Gesundheit und Wohlbefinden stärken könnten. Hülsmann sagt: „Viele Verbraucher werfen das in einen Topf, weil alles gesund klingt, und greifen zu.“

    Das liegt auch daran, weil der Markt das Angebot schafft. 300 laktosefreie Artikel aus fast allen Sortimentsgruppen stehen derzeit in deutschen Supermarktregalen, wie der WDR zuletzt in einer Untersuchung festgestellt hat.

    Ernährungsexpertin: Industrie verdient an teuren Lifestyle-Produkten

    Und der Umsatz mit diesen Ersatzprodukten wächst – in den vergangenen Jahren jeweils um rund 20 Prozent – und damit deutlich schneller als die Zahl der Betroffenen.

    Nach aktuellen Zahlen vertragen fast 85 Prozent der Deutschen natürlichen Milchzucker, beim Getreideeiweiß Gluten sind es gar 99 Prozent. Trotzdem sei es fast so etwas wie ein Trend geworden, laktose- und glutenfreie Produkte zu essen, sagt Ernährungsexpertin Hülsmann.

    Sie ärgert sich darüber, dass es die Industrie geschafft hat, daraus moderne Lifestyle-Produkte zu machen. Denn: „Für gesunde Menschen sind diese Lebensmittel völlig überflüssig. Sie belasten nur den Geldbeutel.“

    "Laktosefrei": Preisaufschlag oft vollkommen ungerechtfertigt

    Im Schnitt sind diese Ersatzprodukte 2,4 Mal so teuer wie die konventionelle Variante, wie die Verbraucherzentrale Hamburg in einem Marktcheck ermittelt hat. Und häufig werben die Hersteller mit fragwürdigen Botschaften.

    Demnach wird Emmentaler, Gouda und Tilsiter in der laktosefreien Variante verkauft – obwohl darin durch den Reifeprozess so gut wie kein Milchzucker steckt. Auch Schinken und Putenbrust enthalten natürlicherweise gar keine Laktose, werden aber mit dieser Auslobung und einem Preisaufschlag von durchschnittlich 95 Prozent verkauft.

    Und es geht noch dreister, wie der Marktcheck zeigt: 383 Prozent teurer verkaufte MinusL demnach sein als gluten- und laktosefrei deklariertes Schwarzbrot – dabei enthält auch Schwarzbrot eigentlich gar keine Laktose.

    Ernährungsexpertin Hülsmann sagt: „Es darf nicht sein, dass Hersteller mit etwas werben, was gar nicht in ein Produkt gehört.“ Verbrauchern, die bei sich eine Unverträglichkeit vermuten, rät sie, nicht einfach zur teureren Ersatzvariante zu greifen – sondern erst einmal einen Arzt aufzusuchen.

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