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06. September 2009 10:15 Uhr

Wahl-O-Mat im Internet

Trittbrettfahrer will mit Wahl-Test abkassieren

Der Wahl-O-Mat, der Bürgern die Bundestagswahl 2009 erleichtern soll, hat Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen. Die wollen unter wahlinfo2009.de für einen ähnlichen Wahl-Test im Internet abkassieren. Von Sascha Borowski

Wahlinfo-Screenshot
Foto: Screenshot: AZ

Seit Freitag stellt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wieder unter www.wahl-o-mat.de ihr "Wahl-Programm" bereit. Bürger können auf der Internetseite angeben, wie sie zu 38 politischen Thesen stehen. Im Anschluss bekommen sie angezeigt, welche Partei der eigenen Meinung am nächsten ist.

Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale ist kostenlos - und sehr beliebt. Allein im Vorfeld der Bundestagwahl 2005 wurde das Programm im Internet fünf Millionen Mal durchgespielt.

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Genau darauf setzen nun offenbar auch Trittbrettfahrer. Sie bieten unter Adressen wie wahlinfo2009.de oder wen-waehle-ich.info ebenfalls "Wahl-Tests" an. Unter der Überschrift "Inoffizieller und unabhängiger Test zur Bundestagswahl 2009" geben Bilder von Angela Merkel und Ursula von der Leyen dem Ganzen einen seriösen Anschein.

Von Kosten ist auf den Startseiten zunächst mal keine Rede. Tatsächlich steckt dahinter aber eine Falle. Wer den Test beginnt, soll - ebenso wie beim offiziellen Wahl-O-Mat - einige Fragen zu politischen Thesen beantworten. Dann aber wird die Frage-Reihe plötzlich unterbrochen und ein Formular wird eingeblendet. "Gleich geht es weiter... Um zu den weiteren Fragen und zur Auswertung zu gelangen, müssen Sie sich registrieren" heißt es.

Abgefragt werden nun Name, Adresse, Mailadresse und Geburtstag. Im Anschluss soll man einen großen Button "Jetzt anmelden" klicken. Was kaum auffällt: Unter diesem Button, außerhalb des sichtbaren Bildschirmbereichs, steht noch Kleingedrucktes. Und das hat es in sich. Mit der Anmeldung zu dem Test, so heißt es dort nämlich, würden 60 Euro fällig.

Hinter dem fragwürdigen Test steckt eine Firma namens Belleros Premium Media Limited 2009. Die war in den vergangenen Monaten schon mit einem Angebot namens 99downloads.de negativ aufgefallen, da auch hier mit kaum lesbaren Preisangaben gearbeitet wurde. Der Verbraucherzentrale Bundesverband, der regelmäßig gegen Abofallen im Internet vorgeht, mahnte die Firma damals wegen unangemessener Benachteiligung der Verbraucher durch AGB ab.

Beeindruckt hat das die Firma Belleros offensichtlich nicht. Stattdessen geht sie nun massiv mit ihren neuen Seiten auf Kundenfang. Auch über die Internetsuchmaschine Google: Bürger, die dort nach dem Stichwort "Wahlomat" suchen, bekommen aktuell neben den echten Suchergebnissen Werbung für die Seite wahlinfo2009.de eingeblendet.

Sogenannte Abofallen, bei denen die Preise für Internetdienste versteckt oder verschleiert werden, sorgen seit fast fünf Jahren für Ärger in Deutschland. Die Verbraucherzentralen raten Opfern, sich in solchen Fällen nicht einschüchtern zu lassen und die Rechnungen nicht zu bezahlen.Abzocker im Internet arbeiten zwar mit Mahnungen und Drohbriefen, um ihre angeblichen Forderungen durchzusetzen. Vor Gericht ziehen sie aber praktisch nie - weil sie keine Chance hätten.

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