Die einheimischen Brauereien setzten 2011 im Inland 82,7 Millionen Hektoliter alkoholhaltiges Bier und alkoholhaltige Mischgetränke ab, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern mit. Das ist ein Rückgang von 0,8 Prozent gegenüber 2010 und so wenig wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung.
Die Gründe für die Entwicklung seien seit Jahren dieselben, die Effekte verstärkten sich, sagte der Sprecher des Bayerischen Brauerbundes, Walter König, unserer Zeitung. Zum einen seien dies die grundsätzliche Alkoholpolitik sowie veränderte Bedingungen am Arbeitsplatz im Umgang mit Alkohol. „Zum anderen ist die demografische Entwicklung verantwortlich: Der Pro-Kopf-Umsatz geht zurück, aber auch die Köpfe fehlen immer mehr.“ Die Tendenz des sinkenden Bier-Absatzes werde sich daher in den kommenden Jahren fortsetzen, kündigte König an.
Dennoch ist der Pro-Kopf-Konsum nach wie vor stattlich. So trinkt laut Statistik jeder Bundesbürger über 16 Jahre im Schnitt rund 118 Liter Bier jährlich, das entspricht in etwa einem Pils täglich. Dabei gingen vor allem deutlich weniger Biermischgetränke über die Theken und Ladentische. Der Absatz von Getränken, bei denen Bier mit Limonade, Cola, Fruchtsäften und anderen alkoholfreien Zusätzen gemischt wird, sank gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent. „Der Boom dieser Mischungen wird mehr und mehr abgelöst von alkoholfreien Bieren“, erläuterte König. So liege speziell alkoholfreies Weißbier ungebrochen stark im Trend. „Die Brauer haben inzwischen viel Erfahrung gesammelt in diesem Segment und zudem wissenschaftlich geforscht“, sagte König. „Die Technologie hat sich dort enorm verbessert.“ Wurde der Alkohol bislang entweder nach dem Brauen extrahiert oder die Gärung schlichtweg gestoppt, gibt es nun weiterentwickelte kombinierte Verfahren, die das Reinheitsgebot völlig unberührt lassen, so der Experte.
Als Exportschlager hat deutsches Bier nichts von seiner Popularität verloren – ganz im Gegenteil. Die Lieferungen der deutschen Brauer ins Ausland stiegen um 4,1 Prozent auf 15,4 Millionen Hektoliter. Vor allem der Export in Länder außerhalb der Europäischen Union stieg dabei besonders an. (mit dpa)