Montag, 20. November 2017

20. Oktober 2017 06:37 Uhr

Drogeriemarktkette

Wie dm eine digitale Drogerie schaffen will

Die Kette dm setzt in ihren Filialen künftig auf mehr moderne Technik – und will dabei Kunden und Mitarbeiter einbeziehen. Doch im Onlinehandel nimmt die Konkurrenz zu.

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Künftig sollen alle dm-Mitarbeiter, die im Verkauf tätig sind, ein Smartphone bekommen, um Kunden besser beraten zu können.
Foto: Uli Deck, dpa

Die größte Drogeriemarktkette Deutschlands will die Vorzüge der Digitalisierung für sich nutzen – und investiert kräftig in die Modernisierung deutscher Filialen. Wie dm mitteilt, sollen alle 25 000 Mitarbeiter in Verkauf und Beratung ein Smartphone erhalten. So können sie ihre Kunden schneller und ausführlicher über alle Produkte informieren. Zudem will das Unternehmen jeden seiner derzeit 1892 Drogeriemärkte mit einem WLAN-Netz ausrüsten. Kunden können sich dann nach Belieben entweder persönlich oder online per App zu den Produkten beraten lassen. Auch bargeldloses und kontaktloses Bezahlen mit der Karte soll bald in allen Filialen möglich sein.

Doch nicht nur das. Der deutsche Marktführer im Drogeriegeschäft hat noch andere Ziele. Für die Digitalisierung des Unternehmens sowie den Neubau und Erhalt seiner Standorte hat das Unternehmen schon 175 Millionen Euro ausgegeben. Im laufenden Geschäftsjahr will der Konzern noch einmal doppelt so viel investieren. Martin Dallmeier, Geschäftsführer für Finanzen, sagt: „Wir tragen die Digitalisierung in die breite Bevölkerung, um die Gesellschaft auf den Wandel vorzubereiten.“ Dazu will das Unternehmen aus Karlsruhe fortan mit dem ebenfalls dort angesiedelten Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) zusammenarbeiten und in dm-Filialen ein „außerschulisches Lernzentrum“ einrichten.

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Was das konkret bedeutet, vermochte Finanzgeschäftsführer Dallmeier allerdings noch nicht zu sagen. „Die Kooperation ist so frisch, dass die Projekte erst ausgearbeitet werden müssen. In jedem Fall wollen wir sie bundesweit anbieten und damit die Regionen stärken.“ Ideen gebe es viele. So könnten Kunden in einigen Märkten möglicherweise Programmiersprachen oder den Umgang mit neuer Technik lernen. Am digitalen Wandel will der Drogeriekonzern also nicht nur seine Mitarbeiter, sondern auch Kunden teilhaben lassen. dm-Chef Erich Harsch sagt dazu: „Digitalisierung ist mehr als nur Online-Shop.“

Im Internethandel hinkt die Drogerie hinterher

Doch gerade beim Thema Internethandel hinkt die Drogeriekette hinterher. Erst seit zwei Jahren verkauft sie ihre Produkte online. Priorität hat der Verkauf im Filialnetz. Das zeigt sich etwa am Versandservice. Pro Paket müssen die Kunden Zusatzkosten von 4,95 Euro zahlen. Ab einem Gewicht von 25 Kilo wird gleich noch ein weiteres Paket berechnet. Lässt man sich die Produkte dagegen in die nächste Filiale liefern, ist das kostenlos – ganz unabhängig von der Menge der Pakete.

Der dm-Dauerkonkurrent Rossmann hat derweil eine Kooperation mit dem US-amerikanischen Internetkonzern Amazon geschlossen. Per Schnelllieferdienst können sich Kunden so zumindest in Berlin schon Shampoo, Deo oder Duschgel an ihre Haustür liefern lassen. Eine ähnliche Kooperation strebe dm derzeit nicht an, sagt Finanzgeschäftsführer Dallmeier. Der Onlinehandel entwickle sich positiv, sein Anteil am Gesamtumsatz liege aber bislang noch im einstelligen Prozentbereich.

Konkurrenz machen der führenden Drogeriekette im Internet nicht nur klassische Drogisten. Neben dem Internetriesen Amazon finden an der Branche auch andere Unternehmen Gefallen. Das Portal Zalando etwa, das mit dem Verkauf von Schuhen und Mode bekannt geworden ist, will ab dem Frühjahr auch Beauty-Produkte anbieten. Und sogar der Versandhändler otto.de will in die Branche einsteigen.

In China läuft das Onlinegeschäft bereits

Immerhin: Zumindest in China läuft das Onlinegeschäft für dm. Dort verkauft der Konzern seit März dieses Jahres 140 Produkte über eine internationale Handelsplattform. Dabei hatte die Kette ursprünglich gar nicht im Sinn, in Fernost gutes Geschäft zu machen. Zunächst ging es dm nur darum, den Verkauf in Deutschland zu sichern. Chinesische Zwischenhändler hatten mit Hamsterkäufen in Filialen größerer Städte die Regale geleert, für deutsche Kunden blieb nichts. „Da mussten wir Abhilfe schaffen“, sagt Dallmeier. „Und jetzt sind wir von der guten Entwicklung in China sehr überrascht.“

Sonst hat dm für den Onlinehandel bislang nur den deutschen und österreichischen Markt erschlossen. In den anderen zehn Ländern, in denen dm Filialen hat, soll der digitale Wandel erst in drei bis fünf Jahren Einzug halten. Zuerst will dm das Filialnetz ausbauen, 2018 nach Italien. Denn auch außerhalb des Internets ist die Konkurrenz groß.

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Ein Artikel von
Anika Zidar

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin



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