Der Asteroid hat eine Größe von rund 400 Metern und wird die Erde in einem Abstand von nur gut 324.000 Kilometern passieren. Das ist weniger als die Distanz zwischen Erde und Mond und nach astronomischen Maßstäben ein Streifschuss.
Der Asteroid 2005 YU55 gilt wie seine zahllosen Artgenossen im All als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren - und er zählt zu den Gesteinsbrocken, die auf ihrer Bahn um die Sonne der Erde ungemütlich nahe kommen können. Einen Einschlag des "Flugzeugträger-Asteroiden" auf der Erde können dieForscher aber zumindest für die nächsten hundert Jahre ausschließen. Zum Glück für unseren Planeten, denn eine solche Kollision hätte verheerende Folgen, wie Einschläge in der Vergangenheit beweisen.
So raste am 30. Juni 1908 ein Gesteinsbrocken aus dem All auf eine abgeschiedene Region in Sibirien zu. Mit 70.000 Stundenkilometern drang er in die Atmosphäre ein und explodierte über dem Fluss Steinige Tunguska. Die Explosion löste eine Druckwelle aus, die mit der Sprengkraft von mehreren hundert Hiroshima-Atombomben das sibirische Waldgebiet weiträumig verwüstete. Der Durchmesser des Tunguska-Geschosses wird heute auf 50 Meter geschätzt - also gerade mal ein Achtel des Durchmessers, den 2005 YU55 aufweist.
Nördlinger Ries entstand durch Einschlag
Aber auch von weitaus größeren Brocken wurde die Erde bereits getroffen: Vor 15 Millionen Jahren donnerte ein kilometergroßer Brocken auf die Schwäbische Alb herab und hinterließ einen Krater, der heute als Nördlinger Ries bekannt ist. Und vor 65 Millionen Jahren schlug ein zehn Kilometer großer Asteroid auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan ein und löste einen Klimawandel aus, der höchstwahrscheinlich zum Aussterben der Dinosaurier beitrug.
Im Vergleich mit diesem Riesen-Asteroiden ist der im Dezember 2005 entdeckte 2005 YU55 zwar ein Knirps. Doch sollte der zur Klasse der sogenannten Apollo-Asteroiden gehörende Brocken einst mit der Erde kollidieren, würde dabei die Sprengkraft von zigtausenden Hiroshima-Bomben freigesetzt. Außerdem drohten Erdbeben und Tsunamis von ungeheurer Zerstörungskraft.
Nächster großer Asteroid kommt 2028
Erst im Jahr 2028 wird nach derzeitigem Wissensstand erneut ein Asteroid vergleichbarer Größe so dicht an der Erde vorbeiziehen, wie das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena im US-Bundesstaat Kalifornien errechnet hat. Doch trotz seines engen Vorbeiflugs wird 2005 YU55 mit bloßem Auge nicht zu sehen sein - selbst für Hobby-Astronomen lohnt sich die Suche nur, wenn sie über größere Teleskope verfügen. Überhaupt wird die Stippvisite des Asteroiden denkbar unspektakulär verlaufen: Laut NASA übt seine Schwerkraft keinen messbaren Effekt auf die Erde aus, weder auf die Gezeiten noch auf die tektonischen Platten der Erdkruste.
Zuletzt ist 1976 ein Asteroid dieser Größe der Erde so nahe gekommen. Kleinere Asteroiden kommen der Erde zwar öfter nah, sind aber nicht so gefährlich, da sie in der Atmosphäre verglühen. Der Besuch des Himmelskörpers mit dem Namen 2005 YU55 bietet Astronomen nun die seltene Chance, Urgestein aus der Entstehungszeit des Sonnensystems zu erforschen - ohne eine Raumsonde ins All schicken zu müssen. AZ, afp