Masern sind hoch ansteckend. Die Ursache dafür haben jetzt Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) im hessischen Langen analysiert. Das Virus verbreitet sich von einer strategisch günstigen Stelle aus: der Luftröhre. Vom typischen Masern-Husten werden die winzigen Partikel dann in die Umgebung geschleudert – und von den Umstehenden eingeatmet, schreiben die Forscher im Fachjournal Nature. Weltweit sterben rund 120 000 Menschen jährlich an den Folgen der Masern.
„Verblüffend, dass bisher nicht im Detail bekannt war, wie das Virus in den Körper gelangt“, so das PEI. Klar war, dass die Viren mit- hilfe eines Rezeptors Zellen in den Atemwegen infizieren. Diese virusbeladenen Zellen wandern über die Lymphknoten in die Organe, wo sie sich vermehren. Wie aber die Erreger in die Atemwege zurückgelangen, um den Weg nach außen zu nehmen, blieb bisher ein Rätsel.
Erkenntnisse bedeutsam auch für Krebstherapie
PEI-Forscher Michael Mühlebach hat nun mit Kollegen aus den USA, Kanada, Singapur und Frankreich das Geheimnis gelüftet: Das Team identifizierte ein Transmembranprotein namens Nectin-4 als „Schuldigen“. Die Erkenntnisse könnten auch für die Krebstherapie bedeutsam sein. Masernviren werden experimentell als onkolytische Viren eingesetzt: Durch die Vermehrung in Tumorzellen induzieren sie deren Zelltod. Bisher ist es jedoch schwierig, die Wirksamkeit vorherzusagen. Möglicherweise korreliert die Effizienz der Tumorzellinfektion mit dem Ausmaß der Nectin-4-Expression, heißt es. Dann könnte eventuell schon vor Behandlungsbeginn eine Vorhersage über die Wirksamkeit einer solchen Therapie möglich werden. (dpa,shs)