Der aggressive Darmkeim EHEC breitet sich weiter aus und lässt den Wissenschaftlern keine Atempause: Nach drei neuen Todesfällen in Norddeutschland stieg die Zahl der Opfer am Samstag auf neun - acht Frauen und ein Mann.
Hamburger Ärzte behandeln EHEC-Infizierte Berichten zufolge nun mit einem speziellen Medikament, das gegen akutes Nierenversagen wirken soll.
Laut Kieler Gesundheitsministerium starb am Samstag in einer Klinik im Kreis Herzogtum-Lauenburg eine 84-jährige Frau an den Folgen einer EHEC-Infektion. Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erlag in der Nacht zum Samstag eine 87-jährige Frau den Folgen des durch EHEC verursachten hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS), wie eine Kliniksprecherin mitteilte. Wie ebenfalls am Samstag bekannt wurde, war schon am Donnerstag im städtischen Krankenhaus Kiel eine infizierte 38-jährige Frau gestorben. Zuvor hatten nach EHEC-Infektionen bereits fünf Frauen aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen sowie ein Mann aus Hamburg ihr Leben verloren.
Neues Medikament im Einsatz
Das neue Medikament wurde im Uniklinikum Eppendorf bereits am Freitagabend eingesetzt, wie das "Hamburger Abendblatt" in seiner Online-Ausgabe berichtete. Behandelt werden sollten sechs Erwachsene, "die schwerst an HUS erkrankt sind", sagte der Nierenspezialist Rolf Stahl der Zeitung. Bei dem Mittel handelt es sich dem Bericht zufolge um einen Antikörper, der gegen schwere Komplikationen bei EHEC-Infektionen wirken soll. Akutes Nierenversagen ist ein Hauptsymptom des HUS.
Ärzte und Wissenschaftler in Heidelberg, Montreal und Paris berichteten der Zeitung zufolge in der Online-Version des "New England Journal of Medicine" über die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern mit diesem Antikörper, der die Bezeichnung Eculizumab trägt. Die Kinder waren demnach im vergangenen Jahr nach einer EHEC-Infektion an HUS erkrankt.
Dem Zeitungsbericht zufolge veröffentlichte die Fachzeitschrift den Artikel wegen der aktuellen EHEC-Infektionswelle vorzeitig und informierte die Nierenspezialisten in Deutschland.
Mehr zu den Symptomen von EHEC und den Schutz gegen die Krankheit in weiteren Artikeln bei uns. afp