Seit rund 20 Jahren wandern einzelne Wölfe wieder nach Westeuropa ein. Dort war der Jäger lange ausgerottet. Jetzt muss er wieder ums Überleben kämpfen
Die Aufregung war groß, als bekannt wurde, dass der Wolf nun auch in Bayern seine Pfoten auf deutschen Boden gesetzt hat. Den Almbauern im Mangfall-Gebirge, wo das Tier sich noch immer aufhalten soll, jagte die Rückkehr des Räubers jedenfalls einen gehörigen Schrecken ein. Der Wolf soll etliche Schafe gerissen haben. Das Tier zu erlegen sei jedoch keine Lösung, machte kürzlich Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) deutlich. Denn der Wolf ist streng geschützt.
Schon einmal hat der Mensch den Jäger von Rehen und Hirschen in Westeuropa ausgerottet. Auch in Deutschland galt die Art über 100 Jahre als ausgestorben. Doch die Tiere kehren nach Angaben des World Wide Fund for Nature (WWF) seit rund 20 Jahren aus dem Osten zurück. So gibt es beispielsweise in Sachsen seit über zehn Jahren wieder Wölfe, bestätigt Wolfsexperte Markus Bathen vom Naturschutzbund. Auch in Mecklenburg-Vorpommern werden immer wieder Tiere gesichtet. Doch dabei handele es sich weitgehend um Einzelexemplare und um keinen sicheren Bestand, betont Franz-August Emde, Sprecher des Bundesamts für Naturschutz. Daher werde der Wolf in der deutschen Liste gefährdeter Tiere als „vom Aussterben bedroht“ gelistet. Der Rückkehrer muss also ums Überleben kämpfen. Laut WWF hat der Wolf nur da eine Zukunft, wo er ausreichend Nahrung und ungestörte Gebiete für seinen Nachwuchs findet. Und wo ihm kein Mensch nachstellt.
Nun ist der Wolf auch nach Bayern zurückgekehrt – und mit ihm die Angst der Menschen vor dem Beutegreifer. Laut WWF gibt es in Europa jedoch keinen bewiesenen Fall, dass ein gesunder Wolf einen Menschen absichtlich angefallen und getötet hat. Nach Angaben des Naturschutzbundes kommt es zudem nur in Einzelfällen dazu, dass Wölfe Schafe reißen. Die Almbauern versetzte die Rückkehr des Räubers nach Bayern trotzdem in helle Aufregung.
Damit es langfristig zu keinen weiteren Konflikten kommt, gibt es in Bayern einen ausgefeilten Wolfs-Management-Plan. Ziel ist es unter anderem, die Schafherden mit geeigneten Maßnahmen wie Zäunen zu schützen. Für die Umweltstiftung WWF gilt es auch, die Akzeptanz der Bevölkerung für den Wolf zu steigern. Denn nur wenn sich Mensch und Tier nicht in die Quere kommen, kann der Wolf in Zukunft überleben. (iner-)
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