Es klingt banal, ist aber für viele Wissenschaftler - und vor allem für die Frau selbst - eine kleine Sensation: Die gelähmte Frau kann mit Hilfe eines Gehirn-Chips und eines Roboter-Arms aus einem Kaffeebecher trinken. Das Besondere: Sie ist seit 15 Jahren vom Hals abwärts gelähmt.
Über Hirnimplantat wird Roboterarm gesteuert
Von diesem Versuch berichtet ein Forscherteam aus Deutschland und den USA im Fachblatt Nature. Das Kaffeetrinken sei die komplexeste Funktion, die je jemand über eine Mensch-Maschine-Schnittstelle ausgeführt habe. Von einer praktischen Anwendung der Technologie sei man trotz der Erfolge aber noch Jahre entfernt, betont der Hauptautor Leigh Hochberg von der Brown University (US-Staat Rhode Island).
Die zum Zeitpunkt der Untersuchung 58-jährige Frau hatte bereits 2005 ein Hirnimplantat erhalten. Es funktioniert wie ein Sensor, der über winzige Elektroden die Nervensignale aus dem Gehirn an einen Computer leitet. Dieser wurde nun mit einem Roboterarm verbunden und wandelt die Nervensignale in entsprechende Bewegungen um. Nach einem Training gelang es ihr in vier von sechs Versuchen, mit dem Roboter-Arm nach dem Kaffeebecher zu greifen. Er wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen entwickelt.
Roboterarm: Präzision und Geschwindigkeit noch nicht gut genug
Es sei bemerkenswert, dass die Nervensignale auch 15 Jahre nach dem Auftreten der Lähmung ausreichten, um ein externes Hilfsgerät wie den Arm zu steuern, schreiben die Forscher um Hochberg. In ihrem Bericht stellen sie einen weiteren Patienten vor, dessen Gliedmaßen ebenfalls aufgrund eines Hirnschlages vollständig gelähmt sind. Der 66-Jährige bekam fünf Monate vor Beginn der Tests das Hirnimplantat. Auch er lernte, damit Gegenstände zu greifen.
Wünschenswert sei jetzt noch eine kabellose Übertragung der Signale, meint Hochberg. Außerdem sei es derzeit nötig, das System vor dem Einsatz zu kalibrieren, was etwa eine halbe Stunde dauere. Zudem müssten Präzision und Geschwindigkeit der Bewegungen verbessert werden. AZ/dpa