Dass der Schimpanse der nächste Verwandte des Menschen ist, ist ein alter Hut. Jetzt gibt es eine neue wissenschaftliche Erkenntnis: Der Gorilla kommt in der Rangfolge gleich an zweiter Stelle – noch vor dem Orang-Utan. Das haben nun Forscher vom britischen Sanger Institute in der Nähe von Cambridge herausgefunden.
Das komplette Genom, also die Gesamtheit der Erbinformationen in einer Zelle, wurde von den Wissenschaftlern entschlüsselt – als letztes der vier großen Primaten. Die Erkenntnisse sind für die Forscher Durchbruch und Überraschung zugleich.
Gorillas haben viele Veränderungen mit dem Menschen gemein
„Wir haben herausgefunden, dass Gorillas viele genetische Veränderungen mit dem Menschen gemein haben, darunter die Entwicklung des Gehörs“, sagt Chris Tyler-Smith, Mitautor der Studie, die im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde. Bei den Gorillas habe sich das Gehör ähnlich schnell entwickelt wie beim Menschen. Damit ist die bisherige These widerlegt, dass die schnelle Entwicklung des menschlichen Gehörs in Zusammenhang mit der Sprachbildung steht.
Vor zehn Millionen Jahren: Gorilla haben sich genetisch abgesetzt
An der Tatsache, dass der Schimpanse dem Homo sapiens am nächsten steht, rüttelt die neue Studie nicht. Sie gebe aber Aufschluss über die Zeit, in der sich unsere Vorfahren von unseren nächsten Verwandten genetisch abgesetzt haben, so die Forscher. Bei den Schimpansen geschah das vor rund sechs Millionen Jahren, bei den Gorillas bereits vor zehn Millionen Jahren. (mit dpa)