Trockene Augen sollten nicht unterschätzt werden, warnt der Fachverband Trockenes Auge e.V. Das „Trockene Auge“, im Fachjargon als Keratoconjuncivitis sicca bezeichnet, sei eine der häufigsten Augenerkrankungen in der Bevölkerung und kann zu schweren Folgen führen. Einem Bericht zufolge leiden in Deutschland mehr als zehn Millionen Menschen unter trockenen Augen. Der Fachverband teilt mit, dass die Zahl in den vergangenen Jahren ständig gestiegen ist. Da viele junge Menschen erkranken, vermuten Experten einen Zusammenhang mit den Umwelteinflüssen und der modernen Lebens- und Arbeitsweise.
Trockene Augen führen zu chronischen Erkrankungen
Werden trockene Augen nicht behandelt, kann die Widerstandskraft des Auges nachlassen und sich somit schlechter vor Infektionen schützen. Im schlimmsten Fall drohe eine chronische Bindehaut- und Hornhautentzündung, die auch das Sehvermögen einschränken können. Die Betroffenen könnten im Alltag dann kaum mehr Tätigkeiten nachgehen, die für sie sonst selbstverständlich waren.
Besonders empfindlich sind die Augen bei Luftzug, verrauchten Räumen oder grellem Licht. Aber auch die alltägliche Arbeit am Computer belastet unser Sehorgan. Dieses Phänomen kennen vor allem Kontaktlinsenträger. Arbeiten Kontaktlinsenträger viel am Computer, können ihre Augen sehr austrocknen. Ursache ist der vor dem Bildschirm stark reduzierte natürliche Lidschlag, der sonst das Auge ausreichend mit Tränenflüssigkeit versorgt. Nach Angaben des Kuratoriums Gutes Sehen (KGS) in Berlin zwinkert man am PC fünfmal weniger als sonst. Abhilfe schaffen entweder spezielle Augentropfen zum Benetzen der Linsen oder ein anderes Linsenmaterial, das die Feuchtigkeit besonders gut bindet. Als weitere Behandlungsmöglichkeiten nennt der Fachverband für trockene Augen speziele Sprays (liposomen Therapie) oder in machen Fällen auch einen künstlichen Verschluss der Tränenpünktchen (Punctum Plugs).
Trockene Augen mit Bindehautentzündung verwechseln
Trockene Augen brennen, kratzen oder jucken, in manchen Fällen sind auch die Lider geschwollen. Bei diesen Anzeichen rät der Fachverband, einen Arzt aufzusuchen. Von eigenen Behandlungsversuchen rät der Fachverband Trockenes Auge ab: Weil trockene Augen auch oft gerötet sind, bestünde die Gefahr, die Krankheit mit einer Bindehautentzündung zu verwechseln. Dann greifen viele Betroffene zu den falschen Medikamenten. Bei Augenproblemen sollte man sich deshalb am besten von mehreren Seiten absichern (Arzt, Optiker).
Grund für trockene Augen sind häufig nicht, wie meist angenommen, ein Mangel an Tränenflüssigkeit. Eine wissenschaftliche Untersuchung an den Universitäts-Augenkliniken Essen und Heidelberg hat ergeben, dass bei den meisten Patienten eine Störung der Lipidschicht vorliegt. Die Tränendrüsen bilden eigentlich genügend Flüssigkeit, doch ohne intakte Lipidschicht reißt der vorhandene Tränenfilm zu schnell wieder auf und trocknet das Auge aus. AZ, dpa