Mond ein Erd-Zwilling? Der Mond und die Erde haben viel mehr gemeinsam, als bislang gedacht wurde. Ein Team von Wissenschaftlern aus Amerikanern und Schweizern hat Gestein des Mondes analysiert. Dabei fanden sie heraus, dass der Mond ein geochemischer Zwilling der Erde ist.
Mond besteht größtenteils aus Erdmaterial
Der Mond besteht zu einem großen Teil aus Erdmaterial. Die Entdeckung lässt an dem gängigen Modell der Mondentstehung zweifeln, demzufolge der Mond durch die Kollision eines marsgroßen Objekts namens Theia mit der jungen Erde entstanden ist.
Erde und Mond: Geochemische Ähnlichkeit
Die Untersuchung ist nicht der erste Hinweis auf die geochemische Ähnlichkeit zwischen Erde und Mond: Auch bei Sauerstoff, Silizium, Chrom und Wolfram gleichen sich die Isotopenverhältnisse, wie Matthias Meier von der schwedischen Universität Lund in einem Begleitartikel in "Nature Geoscience" betont. Die Werte der drei letzteren Elemente ließen sich jedoch mit der Einschlagtheorie in Einklang bringen, wenn Theia eine ähnliche Zusammensetzung gehabt habe wie der Mars.
Junge Erde: Viel mehr Theia?
Das Isotopenverhältnis des Sauerstoffs sei auf diese Weise allerdings nicht zu erklären. Sauerstoff ist jedoch ein flüchtiges Element, und mit der aktuellen Analyse wollte die Gruppe um Zhang testen, ob es sich bei beständigeren Stoffen ebenso verhält. Möglicherweise habe sich das Material von Theia viel stärker mit dem der jungen Erde gemischt als bestehende Simulationen es ergeben, schreibt Meier.
Die Forscher hatten die Häufigkeit zweier Varianten (Isotope) des Metalls Titan in Mondproben untersucht. Dabei zeigte sich, dass das Verhältnis von Titan-50 zu Titan-47 im Mondgestein um nicht mehr als 0,0004 Prozent von der Verteilung in der Erdkruste abweicht. Das ist überraschend, denn die Isotopenhäufigkeiten schwanken im Sonnensystem sonst bis zu hundertmal so stark.
Mond durch Einschlag entstanden?
Wenn der Mond wie angenommen durch einen Einschlag entstanden ist, sollte er zu mindestens 40 Prozent aus dem Material von Theia bestehen, und seine Isotopenverhältnisse sollten sich deutlich von den irdischen unterscheiden. Denn es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass Theia exakt dieselbe chemische Zusammensetzung besaß wie die Erde. (dpa, AZ)