Raucherentwöhnung auf Krankenschein? Lungenärzte und Krebsexperte wollen, dass künftig die Krankenkassen dafür aufkommen, dass es in Deutschland mehr Nichtraucher gibt. Nikotinabhängigkeit sei eine Suchterkrankung und sollte daher genauso behandelt werden wie Alkohol- und Drogenabhängigkeit, forderten der Bundesverband der Pneumologen (BdP), das Deutsche Krebsforschungszentrum und weitere medizinische Fachgesellschaften in einer gemeinsamen Erklärung.
Rauchen: Vermeidbarer Risikofaktor
Rauchen sei ein vermeidbarer Risikofaktor für über 40 chronische Erkrankungen, vor allem Lungenkrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs. In Deutschland warteten allerdings entwöhnungswillige Raucher bislang vergeblich auf eine von den Kassen bezahlte Therapie, kritisierte der stellvertretende BdP-Vorsitzende Thomas Hering.
In anderen Ländern wie Großbritannien, Schweden und Finnland würden Therapien zur Raucherentwöhnung längst von den Krankenversicherungen bezahlt. Die Krankenkassen berufen sich demnach bisher darauf, nicht für so genannte Lifestyle-Therapien aufkommen zu müssen. Rauchen sei aber "eine ernst zu nehmende, krankhafte Abhängigkeit" und dürfe nicht als Lifestyle verharmlost werden, erklärte Hering.
Krankenkassen: Eine Million Euro täglich
Nach Angaben der Verbände kämen auf die Krankenkassen bei der Erstattung der Raucherentwöhnung Kosten von "ungefähr einer Million Euro am Tag" allein für Medikamente zu. Insgesamt würden die Kassen aber Geld sparen, weil dadurch ein Großteil der tabakbedingten Folgeerkrankungen vermieden werden könnte.
So viel Geld geben die Deutschen für das Rauchen aus
Die Erhöhung der Tabaksteuer hat den Absatz von Zigaretten, Zigarillos und anderen Rauchwaren im vergangenen Jahr steigen lassen.
Insgesamt wurden 2011 Tabakwaren wie Zigaretten im Wert von 24,5 Milliarden Euro versteuert, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte.
Das waren rund zwei Milliarden Euro oder 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr.
Gemessen an der Menge wurden im Jahr 2011 4,8 Prozent mehr Zigaretten versteuert als im Jahr davor.
Gleichzeitig stiegen auch die Mengen von versteuerten Zigarren und Zigarillos um 6,3 Prozent und von Tabak-Feinschnitt um 6,1 Prozent.
Auch wurde 21,1 Prozent mehr Pfeifentabak verkauft.
Die Zuwächse bei allen Tabakerzeugnissen sind laut Bundesamt auf die Tabaksteuererhöhung zurückzuführen.
Vor allem vor Inkrafttreten der ersten Steuererhöhung zum 1. Mai 2011 sowie vor der zweiten Erhöhung zum 1. Januar dieses Jahres zog der Absatz deutlich an.
Bis zum Jahr 2015 werden jeweils zum Jahreswechsel drei weitere Steuererhöhungen fällig.
Die von der Statistik erfassten Mengen basieren auf den versteuerten Tabakwaren.
Der tatsächliche Verbrauch vor allem bei Zigaretten liegt höher, da unversteuerte Tabakwaren nicht enthalten sind.
Schätzungen zufolge belaufen sich die Kosten für die Behandlung von Krankheiten, die auf das Rauchen zurückgehen, in Deutschland auf jährlich 7,5 Milliarden Euro. Werden Erwerbsunfähigkeit, Frühverrentung und Todesfälle mit einbezogen, wird sogar von einem gesamtwirtschaftlichen Schaden in Höhe von 21 Milliarden Euro pro Jahr ausgegangen.
Rauchen: Verhaltenstherapien sollen dagegen helfen
Rauchern sollten daher Hilfen angeboten werden, vor allem Verhaltenstherapien in Kombination mit Nikotineratzmitteln oder anderen Medikamenten, heißt es in dem Schreiben der Experten an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).
Zu den Unterzeichnern gehören neben den Lungenärzten die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin, Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie, Deutsche Herzstiftung, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, der Wissenschaftliche Aktionskreis Tabakentwöhnung sowie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde. In Deutschland rauchen insgesamt rund 20 Millionen Erwachsene. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) sterben jedes Jahr bis zu 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. (afp, AZ)