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Atomlager: Strahlungsanstieg in Gorleben: Ruf nach Castor-Stopp

Atomlager

Strahlungsanstieg in Gorleben: Ruf nach Castor-Stopp

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    Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen und einige Transporthauben stehen am 16.05.2011 im Transportbehälterlager im atomaren Zwischenlager in Gorleben. dpa
    Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen und einige Transporthauben stehen am 16.05.2011 im Transportbehälterlager im atomaren Zwischenlager in Gorleben. dpa

    Nach einem Anstieg von Strahlenwerten am Atommüll-Zwischenlager Gorleben werden Forderungen nach einem Verschieben des nächsten Castor-Transportes im November lauter. Für die Umgebung gebe es keine akute Gefahr, erklärte das niedersächsische Umweltministerium als zuständige Atomaufsicht am Freitag. Bei einem Expertentreffen am kommenden Dienstag solle der Betreiber des Lagers erklären, wie die Jahresgrenzwerte eingehalten werden können. Nur wenn dies gewährleistet sei, könne es im Oktober grünes Licht für den Castor-Transport geben.

    Strahlungsanstieg in Gorleben

    Der Halbjahreswert für Neutronenstrahlung am Lagerzaun lag nach Angaben des Ministeriums im vorigen Jahr bei 0,23 Millisievert, in diesem Jahr bei 0,27 Millisievert. Aufs Jahr betrachtet ist ein Wert von 0,30 Millisievert erlaubt.

    Es sei möglich, dass die Steigerung daraus resultiere, dass ein Messpunkt um vier Meter versetzt worden sei und damit näher an der Lagerhalle liege. Messungen der Strahlung an den eingelagerten Castor-Behältern im vergangenen Jahr hätten zumindest keine erhöhten Werte ergeben.

    Castor-Transporte sollen beendet werden

    Um den nächsten Castor-Transport dennoch ins Lager bringen zu können, sei es denkbar, die Neutronenstrahlung durch Abschirmmaßnahmen abzufangen. Helfen könne auch ein Umstellen der Behälter innerhalb des Lagers, um den Abstand zum Zaun zu erhöhen.

    Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte, dass der Castor-Transport nicht ins Wendland rollen dürfe. "Die gestiegene Strahlung am Zwischenlager bekräftigt unsere Forderung, die Castor-Transporte nach Gorleben umgehend zu stoppen und künftig in das grenznahe Zwischenlager am AKW Philippsburg umzuleiten", sagte Atomexperte Heinz Smital. Insgesamt elf Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Müll sollen im Herbst aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben gebracht werden.

    Atomkraftgegner sammeln sich

    Der Castor-Transport müsse umgehend abgesagt werden, forderte am Freitag auch die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, in der Atomkraftgegner aus der Region Gorleben versammelt sind, sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

    Wie baut man ein Atomkraftwerk ab?

    Ein stillgelegtes Atomkraftwerk kann man nicht einfach mit der Abrissbirne plattmachen - die Demontage des Meilers kostet viel Zeit und Geld.

    Ein Beispiel dafür ist das 2005 vom Netz genommenen Kraftwerk Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis). Seit rund zwei Jahren sind Fachleute damit beschäftigt, das alte Kraftwerk abzubauen.

    Mehr als zehn Jahre werden die Arbeiten insgesamt dauern und rund 500 Millionen Euro kosten. 275.000 Tonnen Material müssen abgebaut werden, darunter 2300 Tonnen radioaktiver Abfall.

    Die Demontage hat in Obrigheim mit den nicht-nuklearen Teilen des Meilers begonnen, zum Beispiel mit dem Maschinenhaus und dem Überwachungsbereich. In einem zweiten Schritt stehen die leicht kontaminierten Anlagenteile des Kontrollbereichs auf dem Programm.

    Von dort an geht es unter anderem mit Hilfe einer Fernbedienung oder auch mit Arbeiten unter Wasser an Teile wie das Druckgefäß, das dem Neutronenbeschuss direkt ausgesetzt war.

    Im vierten Abschnitt kommen die Hilfseinrichtungen wie Kräne, Lüftungen sowie Anlagen zur Wasseraufbereitung und zur Reinigung dran.

    Nur sehr wenige Teile des ehemaligen Kernkraftwerks sind so stark verstrahlt, dass sie nicht gereinigt werden können. Ein Großteil landet in einer Wasserstrahlkabine, wo es mit Hochdruck gesäubert wird, so dass es anschließend wie normaler Abfall entsorgt werden kann.

    Eine «grüne Wiese» wird der Standort allerdings auch nach der Demontage des Kraftwerks nicht: Die 342 abgebrannten radioaktiven Brennelemente könnten bis zu 40 Jahre lang in einem Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände bleiben.

    Kritiker fürchten, dass die Castor-Behälter mit dem Atommüll undicht werden und dann die Umwelt verstrahlen könnten.

    Dem Ruf nach einem Stopp des Castor-Transports schlossen sich Vertreter der Grünen, Linken und der SPD an. Wenn schon bei 102 eingelagerten Castor-Behältern der Grenzwert erreicht werde, sei an die geplante Einlagerung von 420 Behältern nicht zu denken, sagte der niedersächsische Linken-Abgeordnete Kurt Herzog. "Wir haben immer gesagt, dass diese Halle in Gorleben eher für die Lagerung von Kartoffeln geeignet ist."

    Klarheit über Strahlung verlangt

    Die aus der Region stammende Euro-Parlamentarierin der Grünen, Rebecca Harms, sagte, es könnte sein, dass die Abschirmleistung der Leichtbauhalle einfach nicht ausreiche, wenn weiterhin Behälter mit großem radioaktiven Inventar eingelagert werden.

    Eine sorgfältige Analyse der Situation forderte der umweltpolitische Sprecher der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Martin Bäumer. "Erst, wenn Klarheit über die zukünftige Entwicklung der Strahlung besteht, kann die Frage nach dem nächsten Castor-Transport nach Gorleben gestellt werden."

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