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Truvada: Experten sehen Anti-Aids-Pille kritisch

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Truvada: Experten sehen Anti-Aids-Pille kritisch

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    Die Anti-Aids-Pille Truvada könnte bald als Medikament zur Aids-Prävention auf den Markt kommen. Das Medikament zum Schutz vor Infektionen mit dem HIV-Virus hat in den USA fast alle Hürden für eine Zulassung genommen - doch viele Experten sind skeptisch.
    Die Anti-Aids-Pille Truvada könnte bald als Medikament zur Aids-Prävention auf den Markt kommen. Das Medikament zum Schutz vor Infektionen mit dem HIV-Virus hat in den USA fast alle Hürden für eine Zulassung genommen - doch viele Experten sind skeptisch. Foto: dpa

    Die Anti-Aids-Pille Truvada könnte bald als Medikament zur Aids-Prävention auf den Markt kommen. Das Medikament zum Schutz vor Infektionen mit dem HIV-Virus hat in den USA fast alle Hürden für eine Zulassung genommen - doch viele Experten sind skeptisch.

    Truvada: Experten sind skeptisch

    Kritiker warnen davor, dass Truvada dazu verleiten könnte, das HIV-Infektionsrisiko zu unterschätzen. Nach einer elfstündigen Marathonsitzung und weiteren Anhörungen  stimmte eine große Mehrheit der 22 unabhängigen Experten für die Kommerzialisierung der von dem Pharmaunternehmen Gilead Sciences produzierten Pille. Die FDA hält sich in der Regel an die Empfehlungen der Kommission, auch wenn sie nicht bindend sind. Eine endgültige Entscheidung wird bis zum 15. Juni erwartet.

    Anti-Aids-Pille wird schon eingesetzt

    Medizinische Abkürzungen und was sich dahinter verbirgt

    EHEC - Die Abkürzung des EHEC-Erregers steht für Enterohämorrhagische Escherichia coli. Es handelt sich um eine gefährliche Darmkrankheit.

    HUS - Das hämolytisch-urämische Syndrom (kurz: HUS) ist eine schwere Verlaufsform der Darmkrankheit EHEC, bei der giftige Stoffwechselprodukte des Bakteriums zu Nierenschäden führen können.

    HIV - Ein Virus, der das Immunsystem eines Menschen schwächt. Das HI-Virus kann durch Körperflüssigkiten von Mensch zu Mensch übertragen werden. Eine Ansteckung führt nach einer unterschiedlich langen, meist mehrjährigen Inkubationszeit zur tödlich verlaufenden Krankheit AIDS.

    BSE - Bovine spongiforme Enzephalopathie, im Deutschen auch "Rinderwahn" genannt, ist eine Tierseuche, die zwischen 1996 und 2000 für Schlagzeilen gesorgt hat. Dabei erkrankt das Gehirn bei Rindern und führt zu deren Tod.

    H5N1 - Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich ein Influenzavirus. Polpulärwissenschaftlich ist bei H5N1 die Rede von der "Vogelgrippe".

    H1N1 - Im Jahr 2009 breitete sich die sogenannte "Schweinegrippe" bzw "neue Grippe" aus. Die Ansteckungsgefahr am Influenzavirus H1N1 ist vor allem bei Enten, Menschen und eben Schweinen groß.

    In einer klinischen Studie verringerte sich unter anderem das Infektionsrisiko bei heterosexuellen Partnern, von denen einer seropositiv war, um bis zu 75 Prozent. In einer anderen Studie unter homosexuellen Nichtinfizierten sank das Infektionsrisiko um bis zu 73 Prozent. Truvada wird heute schon - in Verbindung mit weiteren Medikamenten - zur Behandlung einer HIV-Infektion eingesetzt.

    Die Einführung ist nicht nur wegen der hohen Kosten von bis zu 14.000 Dollar (10.800 Euro) pro Jahr und Therapie unter Experten umstritten. Der Chef der Anti-Aids-Gruppe AVAC, Mitchell Warren, sagte nach dem Ausschussvotum, Truvada sei "kein Wundermittel", aber ein "wichtiger" weiterer Beitrag zu einem Sieg über Aids. Für Millionen Männer und Frauen mit dem Risiko einer HIV-Infektion "bietet jede neue Möglichkeit einer HIV-Prävention zusätzliche Hoffnung".

    Anti-Aids-Pille wird skeptisch gesehen

    Ärzte und Pfleger, die im klinischen Alltag HIV-Infizierte und Aidskranke betreuen, äußerten sich dagegen skeptisch. Ärztin  Roxanne Cox-Iyamu warnte, dass der Aids-Erreger eine Truvada-Resistenz ausbilden könne. Angesichts der Ausrichtung der Studien befürchtete sie zudem, dass die Daten zur Wirkungsweise der Pille im weiblichen Organismus nicht ausreichen könnten. Die Krankenschwester Karen Haughey verwies auf mögliche Nebenwirkungen wie Leberversagen und schwere Durchfälle.

    Eine zwingend regelmäßige  Einnahme von Truvada verlange den Patienten zudem eine hohe Selbstdisziplin ab. Die Daten zum Erfolg von Truvada in der Aids-Prävention stammten hauptsächlich aus der iPrEx HIV Prevention Study, die 2010 im  Fachmagazin "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde.

    Studie: Pille an 2499 Männern getestet

    In der Studie wurde die Pille von Juli 2007 bis Dezember 2009 an 2499 homosexuell aktiven Männern in den USA, Brasilien, Ecuador, Peru, Südafrika und Thailand getestet. Die Probanden waren nicht HIV-positiv. Nach einer Zufallsauswahl bekam ein Teil der Testpersonen Truvada, eine Vergleichsgruppe ein Placebo. Diejenigen, die regelmäßig Truvada einnahmen, wiesen bis zu 73  Prozent weniger Infektionen auf. Die Testpersonen miteingerechnet, die die Pille unregelmäßig  einnahmen, traten 44 Prozent weniger Infektionen auf. Die  Ergebnisse der Studie wurden von einigen Experten damals als ein  Durchbruch in der Aids-Prävention gefeiert. (afp, AZ)

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