Die Nachbarin ist beunruhigt. Sie hat gesehen, dass Menschen in blauer Schutzkleidung eine Person ins Reihenhaus nebenan bringen. Unserer Redaktion schildert sie die Szene zu Zeiten der Corona-Ausgangsbeschränkungen als beängstigend. Nun weiß sie: In dem Haus in der Fichtenstraße im Aichacher Stadtteil Ecknach bringt die Lebenshilfe Aichach-Friedberg bei Bedarf Corona-Verdachtsfälle oder Infizierte unter. Bislang war es ein einziger Verdachtsfall. Er hat sich als negativ herausgestellt, informiert Geschäftsführer Konrad Schwegler.
Ecknacher Nachbarn fordern eine andere Lösung von der Lebenshilfe
Die über 70-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, betont, dass sie mit der Lebenshilfe-Nachbarschaft immer gut habe leben können. Jetzt aber fürchtet sie um ihre Gesundheit und fordert von der Lebenshilfe eine andere Lösung. Offiziell informiert wurde die Frau Anfang Juli von Schwegler. Reichlich spät, findet sie. Auch ihr Mann und Nachbarn sehen die Pläne kritisch. Acht Ecknacher haben einen Brief des Paares unterschrieben, in dem es nach Plänen zum Schutz der Nachbarn fragt.
Weiter heißt es, die Lebenshilfe hätte für die neue Nutzung ihre Zustimmung einholen müssen, und es wird auf einen nahen Spielplatz verwiesen: „Wir (...) sind im Hinblick auf unsere Enkelkinder (...) sehr besorgt.“ Im Brief wird auch die Frage gestellt, wie vorgebeugt werde, wenn ein Infizierter das Haus unbefugt verlasse. Die Lebenshilfe-Schützlinge seien nicht so kalkulierbar wie andere Menschen, begründet die Frau. Sie findet, dass es sich um eine Nutzungsänderung handelt, die einer Genehmigung bedürfe.
Ähnlich sieht das Stadtratsmitglied Erich Echter (CWG), der selbst unweit der Fichtenstraße wohnt und den die Anwohner über ihren Protest informiert haben. „Das müsste man absegnen“, findet Echter, der betont: „Ich bin nicht begeistert.“
Lebenshilfe-Geschäftsführer sieht "kein Gefährdungspotenzial"
Der Lebenshilfe-Geschäftsführer zeigt sich etwas verwundert über die Reaktionen. Rückblickend, sagt er selbstkritisch, hätte er die Anwohner früher informieren sollen. Doch er wäre nie auf die Idee gekommen, dass diese ein Risiko sehen. „Ich sehe absolut kein Gefährdungspotenzial für sie“, betont Schwegler. Zu Beginn der Pandemie war die Vereinigung für Menschen mit Behinderung gehalten, einen Pandemieplan vorzulegen. Etwaige Infizierte in ihren Zimmern in den Wohngruppen zu isolieren, schied aus. Das Reihenhaus in Ecknach bot sich als ideal zur Isolierung an.
Seit Jahren wird es zum Wohntraining für Jugendliche und junge Erwachsene genutzt. Das kann wegen Corona nun nicht stattfinden, das Haus ist leer. Selbstverständlich gebe es dafür ein Sicherheits- und Hygienekonzept. Betroffene hätten in der Fichtenstraße rund um die Uhr einen Betreuer. Sie dürften sich während der Quarantäne nur im Haus aufhalten, nicht im Garten, und am Eingang gebe es eine Hygieneschleuse, zählt Schwegler auf. Ihren Pandemieplan hat die Lebenshilfe dem Gesundheitsamt vorgelegt. Eine Reklamation sei nicht gekommen, sagt Schwegler. Er weist auch darauf hin, dass jeder einmal einen erkrankten Nachbarn haben könne.
Lesen Sie dazu den Kommentar Corona: Lebenshilfe-Bewohner sind nicht gefährlicher
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