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Corona-Krise: 650.000 Betriebe haben bereits Kurzarbeit angemeldet
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Aichach-Friedberg

20.03.2020

Ausgangsbeschränkungen: Corona schränkt öffentliches Leben ein

Bau- und Gartenmärkte, hier der Obi-Markt im Ecknacher Gewerbe- und Industriegebiet, müssen seit heute ebenfalls geschlossen bleiben.
Bild: Erich Echter

Plus Ausgangsbeschränkungen gilt auch im Wittelsbacher Land. Restaurants und Friseure bleiben vorerst zu. Polizei kündigt Kontrollen an.

Da nicht nur im Wittelsbacher Land, sondern bayernweit die Zahl der Infizierten in die Höhe schnellt, hat die Bayerische Staatsregierung am Freitagmittag Ausgangsbeschränkungen verkündet. Nur noch in Ausnahmefällen ist es erlaubt, das Haus zu verlassen. Dazu zählen beispielsweise der Gang zur Arbeit oder dringende Arzttermine. Restaurants, Bau- und Gartenmärkte sowie Friseure bleiben vorerst für 14 Tage geschlossen. In Seniorenheimen oder Krankenhäusern sind Besuche nur noch bei den kranken eigenen Kindern, sterbenden Angehörigen oder der schwangeren Partnerin erlaubt.

Moosbräu in Aindling: Einige Gäste holten in vergangenen Tagen Essen ab

Damit schränkt sich das öffentliche Leben im Landkreis noch weiter ein. Im Gasthof Moosbräu in Aindling wurde am frühen Freitagnachmittag nach Söders Pressekonferenz bereits über das weitere Vorgehen beraten. Juniorchefin Katharina Gutmann sagte, der Gasthof habe in den Tagen zuvor die Möglichkeit gerne angenommen, zumindest bis 15 Uhr zu öffnen. „Wir haben viele Witwer, die zu uns kommen. Die sind eh den ganzen Tag allein.“ Der ein oder andere Gast habe sich auch Essen bestellt und abgeholt.

Zwei festangestellte Köche und zwei Teilzeitkräfte gibt es Gutmann zufolge im Moosbräu, die anderen Mitarbeiter sind auf 450-Euro-Basis beschäftigt. Die Kosten laufen weiter. Zudem renoviert der Gasthof gerade seinen Saal. Auch das kostet Geld. Dennoch sagt die Juniorchefin über die Schließung: „Wenn wir uns allen damit helfen, machen wir’s gerne.“ Sie treffe es ohnehin nicht ganz so hart wie andere Branchen. Die Kommunionfeiern, die jetzt verschoben würden, fänden eben später statt.

Friseurmeisterin in Pöttmes: Ausgangsbeschränkung ist eine Erleichterung

In Pöttmes hofft auch Friseurmeisterin Tanja Brzenskott darauf, dass ihre Kunden bald wiederkommen. Am Freitag hatte sie ihr Geschäft bis Mitternacht geöffnet, um zumindest ihren Stammkunden schnell noch einen frischen Haarschnitt zu verpassen. Brzenskott hat bereits Kurzarbeit für ihre Mitarbeiterinnen beantragt. Trotz aller finanziellen Folgen, die der Beschluss der Bayerischen Staatsregierung mit sich bringt, bezeichnet sie diesen als „wahnsinnige Erleichterung“ und „bestmögliche Lösung“.

Dass Friseure in den vergangenen Tagen noch öffnen durften, sei aufgrund des Ansteckungsrisikos eigentlich schon „viel zu riskant“ gewesen, so Brzenskott. „Ich bin jetzt heilfroh für mich und meine Familie und meine Kunden.“ Ihr Sohn sei zehn, die Oma 86 Jahre alt. Sie gelte es nun zu schützen. Ihren Humor lässt sich die Friseurmeisterin trotzdem nicht nehmen: „Wir lassen uns jetzt unsere Haare wachsen und freuen uns danach auf ein paar tolle Frisuren.“

Corona: Polizei kontrolliert in den nächsten Tagen verstärkt

Schon in den vergangenen Tagen kontrollierte die Polizei im Landkreis verstärkt die Einhaltung der Regeln, darunter die Schließung der Gaststätten ab 15 Uhr. Aichachs Polizeichef Erich Weberstetter sagte am Freitag: „Das Gros hat sich daran gehalten.“ Nur vereinzelt hätten Besitzer noch nicht Bescheid gewusst. Doch alle seien einsichtig gewesen. Dasselbe galt für Restaurantbesucher im Freien, die die Beamten auf den nötigen Mindestabstand hinwiesen. Auch dort trafen sie Weberstetter zufolge auf viel Verständnis. Ab diesem Samstag sind die Beamten sogar noch „verstärkt im Einsatz“, um die Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen zu kontrollieren, kündigt Weber-stetter an. Personelle Unterstützung dafür kommt von der Bereitschaftspolizei und vom Einsatzzug in Augsburg.

Das Coronavirus hat inzwischen auch Auswirkungen auf den Zugverkehr. Wie die Bayerische Regiobahn (BRB) am Freitagnachmittag mitteilte, verkehren ihre Züge auf der Paartalbahn-Strecke zwischen Augsburg und Ingolstadt seit Mittwoch, 18. März, nur noch stündlich. Dieser Stundentakt gilt zunächst bis 19. April. Das teilte das Unternehmen mit. Als Grund nannte es vorsorgliche Freistellungen von Mitarbeitern und Krankmeldungen.

Bayerische Regiobahn fährt nur noch im Stundentakt

Vor dem Hintergrund der Ausgangsbeschränkungen für Bayern betont das Unternehmen, der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) und damit auch die Bayerische Regiobahn gälten als systemkritische Infrastruktur. Bislang habe die BRB ihren Fahrplan daher weitestgehend aufrechterhalten.

Sie habe weitere Rückfallkonzepte in Vorbereitung für den Fall, dass sie aufgrund weiterer Einschränkungen nötig werden sollten. Der Stundentakt unter anderem auf der Paartalbahnstrecke liege am Personalmangel und am Coronavirus: Mitarbeiter mit Vorerkrankungen, die das Infektionsrisiko erhöhen, würden zum Teil freigestellt beziehungsweise krank geschrieben. In der Belegschaft gebe es bislang jedoch keine Corona-Infektion.

Fabian Amini, Vorsitzender der BRB-Geschäftsführung, sagte laut Mitteilung: „Wir bedauern die Einschränkungen außerordentlich, sind uns jedoch auch der Tatsache bewusst, dass wir einen wichtigen Beitrag dazu leisten müssen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, obwohl wir zur systemkritischen Infrastruktur gehören.“ Wie lange der Stundentakt bestehen bleibt oder ob die Einschränkungen noch ausgeweitet werden müssten, sei nicht mit Gewissheit abzusehen.

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